Zendaya und Robert Pattinson, zwei der größten Stars ihrer Generation, werden in The Drama vor den Altar gestellt. Für gewöhnlich gilt die Hochzeit als Höhepunkt eines jungen Paares. Ein unvergessliches Ereignis, sprichwörtlich der schönste Tag ihres Lebens. Steht allerdings Kristoffer Borgli auf dem Plakat, dann ist spätestens nach seinem dritten Film klar: Der Tag wird nicht nur unvergesslich, sondern vor allem extrem unangenehm. Erneut taucht der norwegische Regisseur tief in die Psyche des Menschen ein und seziert das fragile Fundament einer vermeintlich glücklichen Beziehung.
Wie sehenswert The Drama – Noch einmal auf Anfang ist, lest ihr in meiner Filmkritik.
Worum geht es in The Drama – Noch einmal auf Anfang?
Charlie (Robert Pattinson) und Emma (Zendaya) sind verlobt und stecken tief in den Hochzeitsvorbereitungen. Eheversprechen müssen geschrieben und Fotoshootings geplant werden, außerdem steht das Probeessen mit den Trauzeuge:innen an.
Was als harmonischer Abend unter Freunden beginnt, nimmt eine unvorhersehbare Wendung, als die Paare beschließen ein „Beichtspiel“ zu spielen.
„Was ist die schlimmste Tat, die man getan und nie jemandem erzählt hat?“, lautet die Aufgabe. Als Emma an der Reihe ist, offenbart sie ein Geheimnis, das nicht nur die Stimmung am Tisch kippen lässt, sondern auch ihre zweijährige Beziehung zu Charlie in ein ganz neues Licht rückt. Ist es möglich, eine Beziehung noch einmal auf Anfang zu drehen, wenn der/die Partner/in das dunkelste Geheimnis kennt?
Die Dekonstruktion einer Rom-Com
Die Situation, mit der Borgli seinen Film eröffnet, wirkt vertraut – ein Moment wie aus dem echten Leben gegriffen. Hat nicht jede schon einmal eine kleine Lüge erfunden, um Teil einer Konversation zu werden? Als Charlie Emma in einem Bostoner Café erblickt, kennt er das Buch nicht, das sie liest: The Damage – ein Titel, der sich hier als Prophezeiung entpuppt. Um ihre Aufmerksamkeit zu erlangen, googelt Charlie kurzerhand den Inhalt und gibt vor, das Buch bereits gelesen zu haben und ein großer Fan zu sein. Es ist der Auftakt, wie man ihn aus einer romantischen Komödie kennt. Eine Anekdote, die perfekt in eine leicht humorvolle, liebevolle Hochzeitsrede passen würde. Die Gäste lachen, und niemand nimmt es dem zukünftigen Bräutigam übel, dass die Beziehung auf einer kleinen Lüge fußt.
Doch die Fassade beginnt zu bröckeln, als Charlie beim Probedinner ein Geheimnis erfährt, das ihn alles hinterfragen lässt, obwohl die eigentliche Tat damals nie wirklich ausgeführt wurde. Borgli konfrontiert das Publikum mit der Frage, ob eine vergangene Sünde ausreicht, um einen Menschen für den Rest seines Lebens zu verurteilen. The Drama bietet hervorragenden Stoff für Diskussionen über Moral. Bereits in Sick of Myself verfolgte Borgli den selbstzerstörerischen Werdegang zweier Narzissten, in Dream Scenario inszenierte er Nicolas Cage als Hauptfigur einer surrealen Tragikomödie über gesellschaftliche Wahrnehmung. Seinen Motiven bleibt der Regisseur treu und vermischt auch hier surreale Bilder mit unangenehmen Szenen und schwarzem Humor.
Zendaya und Pattinson – ein starkes Paar?
Es ist nicht nur ein stark geschriebenes Drehbuch, das aus der Szene eines einfachen Fotoshootings ein verkrampftes Spektakel macht. Es sind vor allem die Leistungen der Darsteller, die die richtigen Emotionen transportieren. Zu jeder Sekunde liefern Zendaya und Pattinson genau die Facetten, die der Film verlangt – verliebt, verunsichert, verzweifelt, versöhnlich. Zwei Performances, ohne die der Film wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen würde. Pattinson verwandelt sich im Verlauf des Films vom introvertierten Museumsmitarbeiter zu einer Figur, die an Jack Nicholson in The Shining erinnert. Zunehmend dem Wahnsinn und Selbstzweifeln verfallend, schlurft er von Szene zu Szene, während sein Schicksal dem einer modernen griechischen Tragödie gleicht. Gleichzeitig verschieben sich die Rollen: Aus Zendayas Figur, der vermeintlichen Täterin, wird zunehmend eine mitleidserregende Opferfigur. Zum wehrlosen Sündenbock verurteilt und ausgestoßen von der Gesellschaft, wird sie zurückversetzt in ein Gefühl, das sie zuletzt in ihrer Jugend erlebt hat. Jene Zeit, die überhaupt erst den Impuls für ihre grausame Tat schuf. Am Ende ist sie es, die versucht, alles wieder auf Anfang zu drehen und das Geschehene hinter sich zu lassen.
Zwischen Traum und Realität
Je weiter das Drama voranschreitet, desto wilder wird auch seine Bildsprache. Schon zu Beginn ersetzt Borgli die fehlenden Worte seiner Hauptfigur durch visuelle Eindrücke. Erinnerungen, Charakterzüge und Gefühle werden bildhaft inszeniert. So bleibt man nicht bloß Zuschauer, sondern erhält direkten Einblick in die Gedankenwelt der Figuren. Es ist daher nur konsequent, wenn der Film zunehmend surreale Bilder einstreut: alptraumhafte Zukunftsszenarien, alternative Realitäten und düstere Erinnerungen stehen sinnbildlich für eine zerbrechliche Psyche. Für die wachsenden Selbstzweifel eines Mannes, der sich nicht mehr sicher ist, seine Seelenverwandte wirklich zu kennen.
Fazit: (K)ein Happy End?
Am Ende ist es kein kompletter seelischer Trümmerhaufen, mit dem Kristoffer Borgli sein Publikum aus dem Kinosaal entlässt. Die Schlussnote wirkt vergleichsweise versöhnlich und beinahe „amerikanisiert“, besonders im Vergleich zu seinem Erstlingswerk.
Dennoch liefert The Drama genügend Momente, in denen man den Blick von der Leinwand abwenden möchte, weil das Gezeigte die Grenzen des Fremdschams erreicht. Borgli verdreht die Sehgewohnheiten und macht aus der vermeintlichen Liebesgeschichte eine Anti-Rom-Com, verbunden mit einem Thema, das besonders in der amerikanischen Gesellschaft immer wieder bedrückend präsent ist.
The Drama – Noch einmal auf Anfang läuft seit dem 02. April 2026 in den deutschen Kinos.


