Spätestens seit ihrem Publikumshit Ready or Not – Auf die Plätze, fertig, tot ist das Regieduo Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett aus der modernen Horrorszene nicht mehr wegzudenken. Der Erfolg der Horror-Komödie öffnete ihnen viele Türen in Hollywood, wo sie anschließend die beliebte Filmreihe Scream zurück in die Kinos holten. Zwei Jahre nach ihrem Vampirfilm Abigail sind die beiden zurück mit einem Sequel, dessen Vorgänger nie eine Fortsetzung vorsah. Samara Weaving wird erneut zur Zielscheibe satanischer Familien und muss wieder in das blutgetränkte Brautkleid schlüpfen — begleitet wird sie diesmal von ihrer Schwester Faith, gespielt von Kathryn Newton.
Ob die Fortsetzung die Qualität des Vorgängers erreichen kann, erfahrt ihr in meiner Filmkritik zu Ready or Not 2.
Worum geht es in Ready or Not 2?
Nahtlos setzt die Geschichte die Ereignisse des ersten Films fort. Die Überlebende Grace (Samara Weaving) sitzt rauchend vor der brennenden Le-Domas-Villa. Nur knapp konnte sie der tödlichen Menschenjagd entkommen. Doch ihr Leidensweg ist noch nicht beendet. Ihr Überleben hat einen internationalen Wettkampf ausgelöst: Sechs Familien, darunter die Geschwister Danforth (Sarah Michelle Gellar und Shawn Hatosy), kämpfen in einer weiteren Runde Versteckspiel um die Herrschaft des Hohen Rates. Zielobjekt des Spiels wird erneut Grace, die selbst zur Herrscherin werden könnte, sollte sie gewinnen. Unglücklicherweise zieht sie ihre jüngere Schwester Faith (Kathryn Newton) mit in den Schlamassel. Obwohl sich die Schwestern vor etlichen Jahren entfremdet haben, ist Faith weiterhin der Notfallkontakt von Grace — und taucht zur falschen Zeit am falschen Ort auf.
Gegen ihren Willen müssen die beiden zusammenarbeiten, um die makabre Hetzjagd zu überstehen. Das Spiel ist eröffnet: Ready or Not: Here I Come.
Die Sequel-Falle: Größer, lauter, einfallsloser
Wie wäre der siebte Teil von Scream wohl ausgefallen, hätten Bettinelli-Olpin und Gillett die Regie übernommen? Ihre Beiträge zum beliebten Franchise sind zwar kontrovers diskutiert, waren an den Kinokassen allerdings ein großer Erfolg. Statt einer weiteren Fortsetzung entscheiden sich die beiden, andere Wege zu gehen und an eigenen Projekten zu arbeiten. Dass wir also eine Fortsetzung zu Ready or Not bekommen, ist gleichermaßen überraschend wie vorhersehbar. Inhaltlich wirkte die Geschichte abgeschlossen, aber schließlich spielte der Vorgänger knapp das Zehnfache seiner Produktionskosten ein. Weniger überraschend und umso vorhersehbarer ist die Fortsetzung geworden. Eine eigene Handschrift ist mittlerweile klar erkennbar. Gerne vermischen die Regisseure Action, Horror und Comedy und behalten dabei einen selbstreferenziellen Touch. Das funktionierte bisher sehr gut — jetzt tappen die Regisseure jedoch in die Sequel-Falle. Statt Innovation gibt es „more of the same“. Ganz nach dem Motto, alles eine Spur größer zu gestalten, verliert der Film an Glaubwürdigkeit und wird zur Selbstparodie. Neigte die Familie Le Domas im ersten Teil zwar zu gelegentlichen Tollpatschigkeiten, besaßen sie trotzdem eine ernstzunehmende Ausstrahlung.
Klischees statt Charaktertiefe
Die Familien in Ready or Not 2 sind lediglich eindimensionale Abziehbilder von Klischees, die man schon etliche Male gesehen hat. Die kalte Businessfrau mit ihrem internetsüchtigen Sohn, der Latino-Papa mit den verzogenen Kindern und die neureichen Partybros, die mit den klassischen Kiffertypen gleichzusetzen sind. Einzig Sarah Michelle Gellar und Shawn Hatosy funktionieren einigermaßen als Gegenspieler. Insbesondere Gellar besitzt die steinerne Ausstrahlung, die sie bereits in Eiskalte Engel (Cruel Intentions) zeigte. Zwar lässt sich in den meisten Figuren ein satirischer Anstrich erkennen, nach dem Motto: „Seht her, was für Leute die Welt regieren.“ Allerdings liegt der primäre Fokus auf der Unterhaltung. Über Humor lässt sich bekanntlich streiten, und Ready or Not 2 besitzt ein paar wirklich witzige Szenen — Highlight ist ein Kampf, bei dem die Beteiligten nichts sehen können, da ihre Augen mit Pfefferspray verätzt wurden. Viele andere Szenen sorgen nur für ein müdes Lächeln und werden insbesondere dann anstrengend, wenn der Film dadurch an Spannung und Glaubwürdigkeit verliert. Wenn einer Figur das Magazin aus dem Gewehr fällt, weil sie kein gelernter Schütze ist, dann ist das amüsant. Wenn besagte Figur allerdings dutzende Male ihre Ziele aus Inkompetenz verfehlt, stört es den Rhythmus des Films.
Große Namen, verschenktes Potenzial
Ärgerlich wird es auch, wenn man sich das restliche Casting anschaut und erkennt, welches Potenzial verschenkt wurde. Während die Familien-Clans fast auf ganzer Linie enttäuschen, bekommen andere Figuren gar keine Möglichkeit, dem Film etwas Positives beizutragen. Kevin Durand und David Cronenberg sind bloß zwei große Namen mit kurzen Cameos, und Elijah Wood hat zwar sichtlich Spaß an seiner Rolle, dient letztendlich aber nur als Expositionsfigur. Das komplexe Regelwerk, das er wiederholt erklärt, sorgt zwar für erweitertes Worldbuilding, lädt gleichzeitig aber auch dazu ein, die Logik des Films zu hinterfragen. Trotzdem gehört er zu den positiveren Charakteren im Film.
Samara Weaving hat sich mittlerweile zu einer etablierten „Scream-Queen“ entwickelt. Dank ihr funktioniert auch Ready or Not 2 erneut. Man leidet mit ihr, wenn sie wieder Glasscherben aus ihrem Arm ziehen muss, und hofft, dass sie die Tortur ein weiteres Mal übersteht. Ihre Filmschwester Kathryn Newton strahlt leider nicht dieselbe Präsenz aus. Zwar bekommt sie etwas mehr Tiefe, und es wird auch ein glaubwürdiger Konflikt geschaffen. Allerdings wirkt sie im Vergleich immer etwas blass. Insgesamt funktionieren die beiden Schauspielerinnen als Geschwisterpaar, selbst wenn der Verlauf ihrer Beziehung so vorhersehbar und plump ist, wie der restliche Film.
Ein langer Weg in ein starkes Finale
Dem Film fehlt es an Drive. Durch blasse Gegner verliert er an echter Fallhöhe. Während der erste Teil immer wieder damit spielte, welche Figur auf welcher Seite steht, scheinen die Rollen hier von Anfang an klar zu sein. Selbst das Setting wirkt vergleichsweise unspektakulär. Die Le-Domas-Villa im ersten Teil bot eine schöne Atmosphäre. Es gab Geheimgänge und abwechslungsreiche Szenerien. Die Kulisse im zweiten Teil ist ein normaler Park — ein Golfplatz mit angrenzendem Waldstück. Die weitläufige Umgebung sorgt für weniger Klaustrophobie und ist insgesamt weniger schaurig. Im Film wird erneut ordentlich geprügelt und Blutfontänen schießen aus explodierenden Körpern. Der Schleudergang einer Waschmaschine sorgt außerdem für einen echten Ekelfaktor. Insgesamt bleibt die Gewalt aber wirkungslos und comichaft überzeichnet. Gruseliger sind eher die satanischen Bräuche und Rituale, die eine unangenehme Aktualität besitzen. Trotz hohem Tempo arbeitet sich der Film mühsam in das Finale vor. Dieses besitzt immerhin einen düsteren Anstrich und baut gegen Ende noch etwas Spannung auf.
Fazit: Routine statt Risiko
Ready or Not 2: Here I Come wirkt kalkuliert. Wenn man den ersten Teil mochte, wird man allerdings genug finden, was unterhält —wirklich einfallsreich ist das Ganze aber nicht. Ein sympathisches Hauptfiguren-Duo und routiniertes Handwerk tragen den Film. Verpassen wird hier niemand etwas, im Heimkino ist dieser Film bestens aufgehoben.
Ready or Not 2: Here I Come läuft seit dem 09. April 2026 in den deutschen Kinos.
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