Project Hail Mary
| Filmkritik

Der Astronaut (2026)

Wie gut ist die Verfilmung des Andy Weir Romans wirklich?

Was tut man, wenn ein außerirdischer Mikroorganismus droht, die Sonne zu verdunkeln und die Erde in eine neue Eiszeit zu stürzen? Genau, man schickt einen Lehrer ins All. Ryan Gosling übernimmt die Titelrolle des Astronauten und begibt sich unter der Regie von Phil Lord und Chris Miller erneut auf eine interstellare Mission. Während seine frühere Reise noch auf realen Ereignissen basierte – Gosling verkörperte in First Man Neil Armstrong – handelt es sich bei Der Astronaut um die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Andy Weir. Bereits dessen erster Roman, Der Marsianer, wurde 2015 erfolgreich verfilmt und überzeugte sowohl Kritiker als auch Publikum.
Ob Ryan Goslings neuestes Abenteuer im All überzeugen kann und sich der Blick lohnt, erfahrt ihr in der folgenden Filmkritik.

Worum geht es in Der Astronaut – Project Hail Mary ?

Der alleinstehende Naturwissenschaftslehrer Ryland Grace (Ryan Gosling) wird von der ESA-Angestellten Eva Stratt (Sandra Hüller) für das „Project Hail Mary“ engagiert. Grund dafür sind Graces Forschungen im Bereich der Molekularbiologie. Ein unbekannter außerirdischer Mikroorganismus droht, die Sonne zu verdunkeln. Die Erde steht vor einer erneuten Eiszeit, die nicht nur wirtschaftliche Katastrophen mit sich bringen würde, sondern auch den Hungertod für etwa ein Drittel der Weltbevölkerung bedeuten könnte.
Zehn Jahre später erwacht Grace an Bord eines Raumschiffs. Die gesamte Besatzung hat die Reise nicht überlebt. Anfangs leidet der Astronaut unter Amnesie, mit der Zeit kehren seine Erinnerungen und das Missionsziel zurück. Isoliert und Lichtjahre von der Erde entfernt, beginnt Grace, seine Forschungen fortzusetzen. Unterstützt wird er dabei von dem Außerirdischen Rocky (James Ortiz), dessen eigener Planet ebenfalls von der Auslöschung bedroht ist. Aus dieser Begegnung entsteht der Beginn einer außergewöhnlichen Freundschaft.

Viel Humor statt wissenschaftlicher Abhandlungen

Inhaltlich klingt der Astronaut zunächst nicht unbedingt nach einer Komödie. Eine Mission ohne Rückkehrticket, eine tote Crew, ein weltbedrohender Mikroorganismus und der Kontakt zu einer außerirdischen Lebensform – das alles bietet eigentlich genug Stoff für ein düsteres Szenario. Doch unter der Regie von Phil Lord und Chris Miller wird daraus das Fundament für eine warme, humorvolle Geschichte über Zugehörigkeit und Freundschaft. Schon Der Marsianer zeigte, dass sich wissenschaftliche Inhalte und Humor gut verbinden lassen. Der Astronaut geht noch einen Schritt weiter und setzt stärker auf Komik. Mit Filmen wie The Lego Movie und den 21 Jump Street-Filmen haben Lord und Miller bereits bewiesen, dass sie ein gutes Gespür für Timing und vielseitigen Humor besitzen.
Das Drehbuch stammt erneut von Drew Goddard, der bereits die Adaption von Der Marsianer verantwortete und dafür sogar eine Oscar-Nominierung erhielt. Die Romane von Andy Weir sind für ihre detaillierten wissenschaftlichen Ausführungen und ihren trockenen Humor bekannt. Im Film werden die wissenschaftlichen Aspekte so weit reduziert, dass sie verständlich bleiben, ohne das Publikum zu überfordern. Für Leser der Vorlage mag dies stellenweise zu oberflächlich wirken – für einen Film ist diese Balance jedoch äußerst gelungen. Der Astronaut will keine wissenschaftliche Abhandlung sein, sondern unterhalten. Das zeigt sich besonders im Zusammenspiel zwischen Ryland Grace und Rocky. Hier lässt sich eine Parallele zu Arrival von Denis Villeneuve ziehen, in dem eine Linguistin versucht, eine außerirdische Sprache zu entschlüsseln. Während Villeneuve diesem Thema viel Raum und Tiefe gibt, reduziert dieser Film die Komplexität stark. Die Sprache wird vergleichsweise schnell entschlüsselt, und die fremdartigen Laute dienen häufig nur als Vorlage für den nächsten Gag. Wer sich an dieser Vereinfachung stört, könnte im Film häufiger Probleme bekommen. Die Mischung aus bedrohlichem Szenario, ernsten Themen und lockerem Ton ist nicht für jeden geeignet. Die Tonalität gleicht stellenweise dem modernen Superheldenkino, wo ernste Momente häufiger durch humorvolle Einlagen aufgelockert werden. Die Kombination aus Ryan Gosling und dem Regieduo Lord/Miller sorgt jedoch dafür, dass der Humor meist gut funktioniert und selten deplatziert wirkt.

Ryan Gosling – vom schweigsamen Einzelgänger zum liebenswürdigen Trottel

Dass die humorvolle Inszenierung der beiden Regisseure so gut funktioniert, liegt nicht nur an einer gelungenen Inszenierung oder einem starken Drehbuch, sondern auch an den Darsteller:innen. Für das deutsche Kino ist es erfreulich, Sandra Hüller an der Seite von Ryan Gosling zu sehen. Spätestens seit Anatomie eines Falls ist die deutsche Darstellerin auch international sehr gefragt. Während sich der Großteil des Films um den Charakter Grace dreht, bringt Sandra Hüller viel Präsenz und gutes Comedy-Timing mit. In Erinnerung bleibt insbesondere ihre Karaoke-Performance zu Harry Styles` Sign of the Times. Befindet sich der Film nicht gerade in einer Rückblende, in der Ryan Gosling auch mit anderen Darsteller:innen interagieren kann, ist er weitgehend auf sich allein gestellt. Das Werk steht und fällt daher nahezu mit seiner Performance – und diese ist, wie gewohnt, auf hohem Niveau. War Gosling, insbesondere unter der Regie von Nicolas Winding Refn, lange Zeit der schweigsame, attraktive Held, hat er sich ein zweites filmisches Gesicht zugelegt: den humorvollen Gosling. Angefangen mit The Nice Guys und zur Perfektion gebracht in Barbie, zeigt er hier erneut seine komödiantische Seite. In diesen Rollen schlüpft er bewusst in eine Art liebenswürdigen Trottel. Das bedeutet jedoch keinesfalls, dass seine Figuren dumm sind (außer vielleicht Ken). Vielmehr verleiht er ihnen eine menschliche und greifbare Komponente. So auch in Der Astronaut: Grace wäre niemals im Weltall gelandet, geschweige denn für eine solche Mission ausgewählt worden, wenn er nicht intelligent wäre. Trotzdem besitzt seine Figur eine charmant-tollpatschige Art, die ihn zu einer sehr nahbaren und menschlichen Figur macht. Er ist kein klassischer Held wie etwa Bruce Willis, der sich heroisch opfert, um einen Asteroiden zu zerstören. Stattdessen ist er ein einfacher Mensch mit echten Emotionen. Er weiß selbst, dass er zu viel redet, und muss regelrecht in das Raumschiff gezwungen werden, um die Mission anzutreten.

Zeitloses Retro-Kino mit einer Spur Steven Spielberg

Die Rolle von Ryland Grace könnte aus einem klassischen Spielberg-Film stammen. Ein „Everyday Man“, der plötzlich in eine außergewöhnliche Situation gerät.
Auch inhaltlich passt der Film in diese Tradition. Die Beziehung zwischen Grace und Rocky erinnert an E.T. – Der Außerirdische, während die fluoreszierenden Farben an Unheimliche Begegnung der dritten Art erinnern. Project Hail Mary ist Retro-Kino in seiner besten Form. Obwohl Rückblenden und das Raumschiff eine moderne Zeit vermuten lassen, wirkt der Film visuell und musikalisch wie ein Werk aus einer anderen Ära. Im Soundtrack finden sich Klassiker der Sechziger wie Kris Kristofferson, The Beatles und Miriam Makeba. Ryan Gosling wirkt zu Beginn wie ein Zeitreisender, der modisch irgendwo zwischen den Achtzigern und Neunzigern hängen geblieben ist. Der Name „Rocky“ ist eine Reminiszenz an die Siebziger, während Harry Styles Song eine Brücke zur Gegenwart schlägt.
Gefilmt wurde der Film digital auf IMAX-Kameras. Anschließend wurden die digitalen Bilder auf Film konvertiert und erneut digitalisiert. Dadurch erhält Der Astronaut den körnigen Look eines analog gedrehten Films. Auch die Entscheidung, vollständig auf Greenscreens zu verzichten, wirkt sich positiv auf die visuelle Gestaltung aus. Zwar wurde im Hintergrund noch viel digital bearbeitet, gedreht wurde jedoch an gebauten Sets. Selbst Goslings Co-Darsteller Rocky ist eine Puppe, die lediglich digital unterstützt wurde. All diese Details sind im Film spürbar und tragen maßgeblich zur greifbaren Atmosphäre bei.

Rocky, ich glaube, das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft

Abschließend kann man nicht über den Film sprechen, ohne das steinerne Alien Rocky zu erwähnen. Benannt nach Stallones ikonischer Rolle, ist das von James Ortiz gesprochene Wesen die zweite große Figur im Film. Obwohl diese erst im zweiten Drittel des Films eingeführt wird, ist es die Beziehung zwischen ihm und Gosling, die den Film auszeichnet. Es ist bemerkenswert, wie durch Inszenierung und gelungenes Voice-over viele unterschiedliche Emotionen transportiert werden. Es gibt gleich mehrere Szenen mit Rocky, in denen man den Tränen nahe ist. Dabei besitzt die außerirdische Lebensform nicht einmal ein Gesicht, sondern erscheint als spinnenartige Gesteinsform mit vielen glatten Oberflächen. Zwar setzen sowohl der Score von Daniel Pemberton als auch die Inszenierung von Phil Lord und Chris Miller des Öfteren auf Kitsch, das schmälert aber nichts an wunderbaren Beziehung. Im Verlauf des Films entsteht eine Freundschaft zwischen den beiden Figuren, die erneut an das klassische Hollywood-Kino eines Zemeckis und Spielberg erinnern. Ob es die Beziehung von Elliott zu E.T. ist oder die von Chuck Noland und dem Volleyball Wilson – Rocky besitzt dieselbe menschliche Ausstrahlung, die schon R2-D2 zum Leben erweckte.

Fazit: Project Hail Mary – Ein Blockbuster als Hoffnungsträger

Der Astronaut – Project Hail Mary ist das optimistische Kino, das wir derzeit benötigen. In Zeiten globaler Krisen und Konflikte ist eine gemeinsam agierende Welt eine positive Botschaft – selbst wenn der Film eher einer Utopie gleicht. Das „Project Hail Mary“ ist diesmal keine rein amerikanische Unternehmung, sondern ein Zusammenschluss aller Nationen. Die humorvolle Erzählweise dient als Eskapismus vor einer düsteren Realität. Auch für das Kino setzt der Astronaut ein Statement. Mit einem Budget von rund 200 Millionen Dollar ist der Film zwar alles andere als kostengünstig, doch mit dem aktuell stärksten Einspielergebnis am Eröffnungswochenende zeigt er die Nachfrage nach originellen Stoffen.
Die Regisseure Phil Lord und Chris Miller haben mit ihrem Science-Fiction-Drama einen klassischen Blockbuster für die ganze Familie geschaffen: herzlich, mitreißend und humorvoll – mit eindrucksvollen Bildern, die man definitiv auf der großen Leinwand sehen sollte.

Der Astronaut – Project Hail Mary läuft seit dem 19. März 2026 in den deutschen Kinos.

Nach oben scrollen