They Will Kill You
| Filmkritik

They Will Kill You (2026)

Kirill Sokolovs US-Debüt: Ein Blutrausch im New Yorker Luxushotel

Für seinen dritten Spielfilm schickt der russische Filmemacher Kirill Sokolov die deutsch-amerikanische Schauspielerin Zazie Beetz (Joker) auf eine tödliche Hetzjagd durch ein vornehmes New Yorker Hotel.
They Will Kill You ist die erste US-Produktion des Regisseurs, der zuvor ausschließlich in seiner Heimat drehte. Auch hier setzt er wieder auf eine Mischung aus schwarzem Humor und überzogener Gewalt.
Wie gut diese Formel funktioniert und ob sich der Kinobesuch lohnt, erfahrt ihr in meiner Filmkritik.

Worum geht es in They Will Kill You?

In einer stürmischen Nacht fliehen die Schwestern Asia und Maria Reaves (Zazie Beetz und Myha’la) vor ihrem gewalttätigen Vater. Bei einer Konfrontation schießt Asia auf den Verfolger und verletzt ihn schwer. Verängstigt verschwindet sie in die Nacht und lässt ihre kleine Schwester Maria zurück.
Zehn Jahre später nimmt Asia einen Job als Zimmermädchen im luxuriösen New Yorker Hotel „Virgil“ an. Der Grund: Ihre Schwester soll sich hier aufhalten. Es dauert nicht lange, bis Asia erkennt, dass das Hotel eine tödliche Falle ist  – ein Wettlauf ums Überleben beginnt.

Hotel Virgil: Wo Tarantino auf Tanz der Teufel trifft

Es ist 3:17 Uhr. Asia Reaves ist gerade eingeschlafen, als maskierte Kuttenträger:innen durch ein verstecktes Loch in ihr Zimmer eindringen. Was als routinemäßiges Ritual eines Satankults beginnt, entwickelt sich schnell zu einem blutigen Spektakel.
Denn Asia ist alles andere als ein wehrloses Hausmädchen, sie entpuppt sich als eine bis an die Zähne bewaffnete Kämpferin. Keine fünf Minuten später ist ihr Zimmer blutgetränkt und Gliedmaßen vom Körper getrennt.
Regisseur Kirill Sokolov tritt von der ersten Minute an aufs Gaspedal, sodass man sich bereits nach kurzer Zeit mitten im Chaos wiederfindet. Erklärungen bleiben zunächst aus und werden erst später in Kapiteln nachgereicht, um Figuren und Handlung etwas Tiefe zu verleihen. Eine komplexe Story ist jedoch gar nicht das Ziel. Sokolov setzt klar auf Spaß und kurzweilige Unterhaltung – und genau das liefert der Film. Stilistisch erinnert vieles an einen Tarantino-Film: verschachtelte Erzählstruktur, übertriebene Gewaltspitzen und Popmusik während der Action. Zazie Beetz wird zur „Braut im Pyjama“ und kämpft sich durch eine Horde satanischer „Crazy 88“. Ganz nach dem Motto „Style over Substance“ steht die Inszenierung im Vordergrund. Die Story bleibt zweitrangig, die Figuren erfüllen ihren Zweck, und die angedeutete Gesellschaftskritik wird bleibt oberflächlich. Visuell hingegen wird einiges geboten: horizontale und vertikale Kamerafahrten durch die verwinkelten Zwischenräume des Hotels oder eine brennende Axt als einzige Lichtquelle in einem düsteren Restaurantkampf. Besonders hervorzuheben sind die handgemachten Effekte, die dem Film viel Charme verleihen und an das 80er-Horrorkino wie Tanz der Teufel 2 erinnern. Etwa dann, wenn sich ein abgetrenntes Auge selbstständig macht und durch die Gänge purzelt.

Zu viele Wiederholungen, zu wenig Spannung

Vor allem im ersten Drittel überzeugt der Film mit Witz, Tempo und kreativer Inszenierung. Umso enttäuschender ist es, dass er im weiteren Verlauf deutlich nachlässt. Der Kult, mit dem sich Asia anlegt, ist nämlich unsterblich: Wunden heilen sofort, abgeschlagene Köpfe wachsen nach. Dadurch verliert die Handlung schnell an Fallhöhe und Spannung.
Das anfangs noch bedrohliche Szenario verkommt zunehmend zu einer Abfolge monotoner Wiederholungen. Wachsende Gegnergruppen bringen wenig, wenn klar ist, dass es für beide Parteien keine Konsequenzen gibt.
Zwar versucht der Film, über die Beziehung der Schwestern emotionales Gewicht zu erzeugen, doch das gelingt nur bedingt.
Auch das Finale bleibt blass: Der Kampf gegen einen digitalen Schweinekopf erinnert eher an einen Videospiel-Boss als an einen filmischen Höhepunkt. Dank des guten Casts und der stellenweise atmosphärischen Location bleibt man dennoch unterhalten. Das hohe Tempo sorgt außerdem dafür, dass selten echte Langeweile aufkommt.

Zur falschen Zeit am falschen Ort?

Wer das Kinogeschehen aufmerksam verfolgt, dürfte stutzig werden: Innerhalb von zwei Wochen starten in Deutschland gleich zwei Filme mit ähnlicher Ausrichtung. Zum einen Ready or Not 2: Here I Come, zum anderen Kill Bill: The Whole Bloody Affair. Beide bewegen sich stilistisch und inhaltlich in ähnlichen Gefilden  – sind aber deutlich bekannter.
Gerade Ready or Not 2 könnte dank prominenter Namen wie Sarah Michelle Gellar und Kathryn Newton wieder viele Zuschauer:innen anziehen. Und Kill Bill ist ohnehin längst ein fester Bestandteil der Popkultur. Die neue Schnittfassung dürfte zusätzlich Neugier wecken. Auch unabhängig davon hat es They Will Kill You schwer. Aktuell hat der Film weltweit nicht einmal sein Budget von 20 Millionen Dollar eingespielt. Das zeigt einmal mehr, wie schwierig es solche Genreproduktionen im Kino haben.

Fazit: Ein Partyfilm, wie er im Buche steht

Die US-Premiere von Kirill Sokolov ist ein klassischer Partyfilm geworden. Selbst wenn die Kinosäle eher schwach besucht sind, sollte der Film in der großen Gruppe gesehen werden. Mit einer Laufzeit von 95 Minuten bleibt der Film angenehm kompakt und treibt das Geschehen mit hohem Tempo voran. Wer echten Horror oder eine tiefgründige Gesellschaftssatire erwartet, wird enttäuscht. Wer hingegen Lust auf kurzweilige Unterhaltung, comichafte Gewalt und flache One-Liner hat, bekommt genau das geliefert.

They Will Kill You läuft seit dem 26. März 2026 in den deutschen Kinos.

Nach oben scrollen