Schon im alten Rom fesselten Gladiatorenkämpfe das Publikum – ein Kampf auf Leben und Tod.
Menschenjagd zur Belustigung der Adligen und als „Opium“ für das Proletariat.
Diese Faszination überträgt sich bis heute. In den letzten Jahren gab es eine Reihe von Filmen und Serien, die tödliche Spiele und Menschenjagd in den Mittelpunkt stellten. Ein Paradebeispiel ist die erfolgreiche Filmreihe Die Tribute von Panem, in der der Kampf auf Leben und Tod sowohl als Machtdemonstration des Kapitols dient als auch das Volk unterhält. Ähnliche Themen greift auch Stephen King in seinen Romanen Menschenjagd (The Running Man) und Todesmarsch auf – beide wurden 2025 verfilmt. Neben dem hohen Unterhaltungsfaktor steckt in vielen dieser Filme auch viel Sozialkritik.
Mit They Will Kill You und Ready or Not 2: Here I Come laufen derzeit zwei Filme in den deutschen Kinos, die inhaltlich perfekt in dieses Subgenre passen. Obwohl beide Filme stärker auf Unterhaltung als auf eine tiefere Botschaft setzen, lässt sich auch bei ihnen das Kernthema wiederfinden: der gnadenlose Kampf ums Überleben.
Als Anlass für die beiden aktuellen Kinofilme habe ich eine kleine Top 5 weiterer „Manhunt“-Movies zusammengestellt, die Fans von Ready or Not und They Will Kill You gefallen werden.
5. Graf Zaroff – Genie des Bösen (The Most Dangerous Game, 1932)
Der wohlhabende Graf Zaroff lockt mit manipulierten Signallichtern Seefahrer auf seine Insel. Die Schiffbrüchigen werden dort zu Gejagten: Für den gelangweilten Aristokraten ist Menschenjagd zum makabren Hobby geworden – seine Opfer enden als Trophäen.
Dieses Schicksal droht auch dem Jäger Robert Rainsford. Zu Beginn macht er noch deutlich, dass es einen klaren Unterschied zwischen Jäger und Beute gibt. Doch schon bald findet er sich selbst in einem tödlichen Spiel ums Überleben wieder und muss seine eigenen Überzeugungen hinterfragen.
Basierend auf der Kurzgeschichte von Richard Connell gilt The Most Dangerous Game als Ur-Vater der „Manhunt“-Filme. Die Handlung ist simpel, aber effektiv und trägt bereits den sozialkritischen Kern des Genres in sich: Fragen nach Klassenunterschieden und dem Wert menschlichen Lebens.
Auch über 90 Jahre später funktioniert der Film noch erstaunlich gut, unter anderem durch seine kompakte Laufzeit von nur rund 60 Minuten.
4. Hard Target – Harte Ziele (Hard Target, 1993)
Der Matrose Chance Boudreaux hilft der jungen Natasha bei der Suche nach ihrem verschwundenen Vater. Kurz darauf kommen die beiden einer Gruppe wohlhabender Menschenjäger auf die Spur. Diese bieten Obdachlosen die Chance auf ein besseres Leben – vorausgesetzt, sie überleben die barbarische Hetzjagd.
Mit Hard Target gab John Woo sein US-Debüt und brachte seinen charakteristischen Stil ins Hollywood-Kino. Für die Hauptrolle holte er Jean-Claude Van Damme, einen der größten Action-Stars der 90er-Jahre. Der Fokus liegt ganz klar auf spektakulären Stunts und stylischen Shootouts – trotzdem verliert der Film nicht seinen sozialkritischen Unterton. Die Ursprungsidee von Hard Target basiert ebenfalls auf der Geschichte von Richard Connell.
3. Fair Game (Fair Game, 1986)
Tierschützerin Jessica gerät in den Fokus einiger Wilderer, die im Outback Kängurus erschießen. Nachdem sie die Männer provoziert, wird sie selbst zur Zielscheibe. Auf der Flucht vor den Jägern beschließt sie schließlich, das Blatt zu wenden.
Der australische Film Fair Game ist eine Mischung aus Revenge-Thriller und Manhunt-Movie. Anders als in vielen Genrebeiträgen geht es hier weniger um gesellschaftlichen Klassenkampf oder politische Machtdemonstration, sondern vielmehr um die Frau als Opfer männlicher Gewalt. Fair Game entstand im Zuge des Erfolgs australischer Outback-Filme wie Mad Max und ist ein unterhaltsamer Vertreter des sogenannten Ozploitation-Kinos.
2. The Hunt (The Hunt, 2020)
Eine Gruppe namenloser US-Bürger:innen erwacht auf einer Waldlichtung. Kaum haben sich die ersten Gefangenen von ihren Fesseln befreit, beginnen die ersten Angriffe. Crystal Creasey versucht herauszufinden, wer hinter den Angriffen steckt, und kämpft ums Überleben.
Lange Zeit gibt es keine klassische Hauptfigur. Erst nach und nach entwickelt sich Betty Gilpins Rolle zur zentralen Figur, während bekannte Gesichter wie Emma Roberts nur als Finte dienen und Teil der Botschaft des Films sind.
The Hunt entstand während der ersten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump und spiegelt die Probleme der amerikanischen Gesellschaft wider. Themen wie der Kampf politischer Lager, soziale Klassenunterschiede und die Rolle moderner Medien werden in einer überspitzten, satirischen Form behandelt. Die Figuren bleiben namenlos und wirken wie objektisierte Schachfiguren in einem makabren Machtspiel. Der Film ist einer der modernsten Vertreter des Manhunt-Genres und der dritte in dieser Liste, der seinen Ursprung auf der Geschichte von Richard Connell zurückführt.
1. Battle Royale (Batoru Rowaiaru, 2000)
Die japanische Schulklasse 3-B wird während ihrer Klassenfahrt betäubt und erwacht auf einer unbekannten Insel. Dort werden sie mit den Spielregeln des „BR-Gesetzes“ konfrontiert – ein Kampf auf Leben und Tod, bei dem es nur eine:n Sieger:in geben kann. Kurz darauf wird jeder Schüler mit einem Rucksack ausgestattet, und das tödliche Spiel beginnt. Der Film von Kinji Fukasaku basiert auf dem gleichnamigen Roman von Kōshun Takami und zeichnet ein dystopisches Japan, das von Arbeitslosigkeit und Jugendkriminalität geprägt ist. Battle Royale gilt als einer der wichtigsten Vertreter des Manhunt-Genres. Er lässt sich auf vielen Ebenen interpretieren, ist gleichzeitig spannend und schockierend. Ohne diesen Film hätten Projekte wie The Hunger Games oder Squid Game vermutlich nie den gleichen Erfolg erzielt.
Meine Filmkritik zu They Will Kill You könnt ihr hier lesen. Ready or Not 2: Here I come läuft seit dem 09. April 2026 in den deutschen Kinos.


