Ranking:
7 Festivalfilme 2026, die ich gesehen habe

Mein Besuch beim Brugggore-Filmfestival im Herzen der Schweiz

Für ein Filmfest in die nächste Großstadt? Das muss nicht immer sein. Seit mittlerweile sechs Jahren findet in der Schweizer Kleinstadt Brugg das wachsende Horror- und Genrefilmfestival „Brugggore“ statt.
Anfangs auf zwei Kinos verteilt, sind es seit diesem Jahr drei Spielstätten, in denen unterschiedliche Filme aus Horror, B-Movie, Science-Fiction und Nostalgie laufen. Nicht nur neue Produktionen, sondern auch große Klassiker wie Frankensteins Braut oder Lucio Fulcis Woodoo – Die Schreckensinsel der Zombies bekommen hier wieder eine Leinwand.
Ich habe das Festival dieses Jahr erneut besucht — leider nur für einen Tag. Zum fünften und letzten Festivaltag bin ich nach Brugg gefahren, um mich einem langen Kinotag hinzugeben.
Am Samstag um elf Uhr früh öffneten die Saaltüren für die erste Vorstellung, ehe das Festival am Sonntag um kurz vor fünf Uhr morgens ein besinnliches Ende fand.
In meinem folgenden Ranking präsentiere ich euch sieben Filme, die ich gesehen habe, und wie diese bei mir abgeschnitten haben. Bis auf einen Film war mir das Programm gänzlich unbekannt.

07. Karmadonna (Aleksandar Radivojevic, Serbien)

Wenn der Drehbuchautor von A Serbian Film einen neuen Film dreht, ist das Grund genug, einen Blick zu riskieren. Schließlich war Aleksandar Radivojevics Skript die Grundlage für einen Horrorfilm, der noch heute eine filmische Mutprobe darstellt.
Eine Grenzerfahrung für routinierte Horrorfilmfans ist Karmadonna nicht geworden, doch sprengt der Film die Sehgewohnheiten normaler Kinogänger. Wenn die Genitalien eines toten Influencers in die Kamera gehalten, anschließend püriert und getrunken werden, weiß man genau, in welchen Gefilden man gelandet ist.
Karmadonna will Medienkritik äußern und provozieren. Geliefert bekommt man allerdings nur eine plumpe Bildsprache, geschmacklose Gewalt und menschenverachtende Figuren. Trotz einer halbwegs interessanten Ausgangslage überwiegt die Langeweile, da weder eine Geschichte vernünftig erzählt noch sehenswerte Bilder geliefert werden.

Grusel: 0 von 5
Humor: 1 von 5
Spannung: 0 von 5
Blut & Gewalt: 5 von 5
Gesamtwertung: 1 von 5

06. Hold the Fort (William Bagley, USA)

Ein junges Paar zieht in einen verschlafenen und idyllischen Vorort. Was sich wie das perfekte Zuhause anfühlt, wird schnell zum Albtraum: Bereits beim ersten Nachbarschaftstreffen werden sie Teil eines jährlichen Rituals.
Die Bewohner sind gezwungen, ein Haupthaus („Fort“) vor diversen Monstern zu verteidigen, die aus einem nahegelegenen Höllenschlund emporsteigen. Ohne große Erklärungen wirft Regisseur William Bagley Figuren und Zuschauer:innen in eine blutige Horror-Comedy. Diese entpuppt sich als alberne, aber stellenweise unterhaltsame Umsetzung eines Tower-Defense-Videospiels. In mehreren Wellen tauchen Fledermäuse, Werwölfe und andere Kreaturen auf. Handgemachte Effekte erinnern an das Horrorkino der 80er-Jahre — insbesondere wird hier Sam Raimi gehuldigt. Hold the Fort ist kein intellektueller Film, sondern kurzweiliges Splatter-Entertainment. Als sympathischer Midnight-Movie zum Abschalten durchaus sehenswert.

Grusel: 2 von 5
Humor: 2,5 von 5
Spannung: 2 von 5
Blut & Gewalt: 2,5 von 5
Gesamtwertung: 2,5 von 5

05. Dolly (Rod Blackhurst, USA)

Basierend auf seinem Kurzfilm Babygirl ist Dolly die Langfassung von Regisseur Rod Blackhurst. Gedreht auf körnigem 16mm-Material erinnert der Film an das staubige Terrorkino der 70er-Jahre. Erzählt wird die Geschichte eines Paares, das sich auf einen Waldausflug begibt — der schnell zum Alptraum wird.
Wie so oft bei Kurzfilm-Adaptionen stellt sich die Frage, ob die ursprüngliche Idee nicht bereits ausreichend war. Dennoch funktioniert Dolly als dreckiger Grindhouse-Film recht gut. Trotz vieler Klischees besitzt er eine unangenehme Atmosphäre. Die Puppengestalt ist zugleich bemitleidenswert und schaurig, und zwischendurch gibt es einige harte Gewaltspitzen.
Insgesamt wird nichts neu erfunden, aber die einzelnen Elemente ergeben ein solides Gesamtbild.

Grusel: 2 von 5
Humor: 0 von 5
Spannung: 3 von 5
Blut & Gewalt: 4 von 5
Gesamtwertung: 3 von 5

04. Flush (Grégory Morin, Frankreich)

Dass ein Film weder komplex noch teuer sein muss, um zu unterhalten, beweist Flush.
Als Hauptfigur Luc in einer Toilettenkabine ausrutscht und mit dem Fuß in der Kloschüssel stecken bleibt, ist das nur der Anfang. Es folgt eine eskalierende Kette absurder Ereignisse rund um Drogendealer, Gewalt und einen denkbar unangenehmen Schauplatz.
Morin nutzt diese bizarre Ausgangslage für eine schwarzhumorige und blutige Geschichte. Witzige Dialoge, kreative Ideen und ein konsequent genutztes Setting machen den Film sehenswert — auch wenn keine Figur wirklich sympathisch ist.
Trotz eines hohen Unterhaltungsfaktors bleibt am Ende das Gefühl, dass auf der Ekelskala noch Potential nach oben war. 

Grusel: 0 von 5
Humor: 3,5 von 5
Spannung: 2 von 5
Blut & Gewalt: 3 von 5
Gesamtwertung: 3,5 von 5

03. Pan’s Labyrinth (Guillermo del Toro, Mexiko/Spanien)

Bereits zwanzig Jahre ist das düstere Märchen alt. An Intensität hat es allerdings nichts verloren. Obwohl Guillermo del Toro zu diesem Zeitpunkt bereits in Hollywood etabliert war, kehrte er für Pan’s Labyrinth zu seinen Wurzeln zurück.
Angesiedelt während der Franco-Diktatur erzählt der Film von Ofelia, die gemeinsam mit ihrer Mutter zu ihrem neuen Stiefvater, dem brutalen Hauptmann Vidal, zieht. Da ihr Alltag von Angst und Schrecken geprägt ist, flüchtet sie sich in eine fantastische Welt. Dort begegnet sie einem mysteriösen Faun, der ihr eröffnet, dass sie eine verschollene Prinzessin sei, die durch das Erfüllen von drei Aufgaben in ihr Königreich zurückkehren könne. Immer wieder springt der Film zwischen den Welten und lässt bis zuletzt offen, wie viel davon in Ofelias Fantasie stattfindet. Pan’s Labyrinth verbindet eine schonungslose Erzählung mit visuell wunderschönen Bildern. Ein poetisches Märchen, das die klar erkennbare Handschrift del Toros trägt.

Grusel: 2,5 von 5
Humor: 0 von 5
Spannung: 4 von 5
Blut & Gewalt: 3 von 5
Gesamtwertung: 4 von 5

02. Deathstalker (Steven Kostanski, Kanada/USA)

Steven Kostanski gehört aktuell zu den gefragtesten Namen, wenn es um handgemachte Effekte und 80er-Jahre-Ästhetik geht. Mit Deathstalker widmet er sich den Barbarenfilmen, die damals im Fahrwasser von Conan der Barbar entstanden sind.
Das Reboot zeigt, dass Kostanski genau verstanden hat, worauf es bei dieser Art von
B-Movie ankommt: weniger Hochglanz, mehr Dreck und praktische Effekte. Die Handlung ist dabei zweitrangig und dient lediglich als Gerüst für einen Film, in dem eine greifbare Atmosphäre, trockener Humor und die Liebe zum Detail im Mittelpunkt stehen. Gleichzeitig ist der Film eine Hommage an eine Zeit, in der Fantasyfilme wie Legende oder Der dunkle Kristall das Kino prägten. Die explizite Gewalt und die überzeichneten Blutfontänen machen jedoch klar, dass sich der Film klar an ein erwachsenes Publikum richtet.

Grusel: 1 von 5
Humor: 3,5 von 5
Spannung: 2,5 von 5
Blut & Gewalt: 4 von 5
Gesamtwertung: 4 von 5

01. Boorman and the Devil (David Kittredge, USA)

Kommen wir zum Highlight meines diesjährigen Festivalbesuchs, einem Film, der zugleich Entschuldigung und Liebeserklärung ist. Boorman and the Devil erzählt die Entstehungsgeschichte eines der unbeliebtesten Horror-Sequels aller Zeiten:
Exorcist II: The Heretic.
Nach einem kurzen Einblick in die Karriere von John Boorman und das New-Hollywood-Kino verdeutlicht die Dokumentation, wie schnell eine Produktion zum Albtraum werden kann. Interviews mit Linda Blair, John Boorman und weiteren Beteiligten liefern spannendes Hintergrundwissen und neue Einblicke. Unabhängig davon, ob man den Film bereits kennt, baut die Dokumentation ein starkes Interesse auf, das fast automatisch dazu verleitet, Exorcist II (erneut) anzuschauen. Gleichzeitig reflektiert Boorman and the Devil eine Zeit, in der Filmschaffende noch größere Risiken eingehen konnten, bevor Studios begannen, verstärkt auf Nummer sicher zu setzen. Die Dokumentation ist damit weit mehr als ein klassisches Making-of, sie ist die Anerkennung eines faszinierenden Stücks Filmgeschichte.

Gesamtwertung*: 5 von 5

*Alle weiteren Kategorien spielen für diesen Film keine Rolle (A.d.R.).

Nach oben scrollen