Bereits 2024 konnte man Witchboard, den neuesten Film von Chuck Russell, auf der großen Leinwand erblicken. Während der Film in einigen Ländern einen Kinostart erhielt, blieb eine offizielle Veröffentlichung in Deutschland aus. Erst im März dieses Jahres schlich sich der Film heimlich in die DVD-Regale und zu verschiedenen VOD-Anbietern.
Es ist der letzte Film des Horror-Regisseurs, der am 22. Juli 2026 verstarb. Mit dem Remake des gleichnamigen Films von 1986 kehrt Chuck Russell noch einmal zu seinen Horror-Wurzeln zurück. Seine Karriere begann in den 80er-Jahren, in denen er mit Nightmare 3 – Freddy lebt! und Der Blob zwei der bekanntesten Genrebeiträge dieses Jahrzehnts schuf.
Ob sich sein letzter Film lohnt und ob Russell noch einmal die Klasse seiner frühen Werke erreicht, erfahrt ihr in meiner Filmkritik zu Witchboard.
Worum geht es in Witchboard?
Das Paar Emily (Madison Iseman) und Christian (Aaron Dominguez) steckt mitten in den Vorbereitungen für die Eröffnung ihres eigenen Restaurants. Bei der Suche nach Zutaten entdecken sie ein antikes Pendelbrett, welches einst der Hexe Naga Soth (Antonia Desplat) gehörte.
Unwissend über die Kräfte ihres Fundstücks nehmen sie das Brett mit nach Hause. Bei einem spielerischen Versuch, ihren Verlobungsring wiederzufinden, setzt Emily eine dunkle Macht frei. Sie gerät zunehmend in den Bann der Hexe und zieht gleichzeitig die Aufmerksamkeit des okkulten Experten Alexander Babtiste (Jamie Campbell Bower) auf sich.
Ein neues Brett, ein altes Konzept
Würde der Name Chuck Russell nicht hinter Witchboard stehen, hätte der Film vermutlich noch weniger Aufmerksamkeit erhalten, als er ohnehin schon bekommen hat. Gerade einmal eine halbe Million Dollar konnte der Film an den Kinokassen einspielen – bei einem Budget von rund 15 Millionen Dollar.
Inhaltlich übernimmt das Remake einige Elemente des Originals, orientiert sich insgesamt aber eher lose an Witchboard – Die Hexenfalle von 1986. Das beginnt bereits beim zentralen Objekt des Films. Während klassische Ouija-Bretter in den 80er-Jahren noch eine vergleichsweise frische Horroridee waren, sind sie mittlerweile ein vielfach genutztes Motiv im Genre und haben sogar eine eigene Filmreihe erhalten.
Russell entscheidet sich daher für einen etwas anderen Ansatz und nutzt ein Pendelbrett – ein okkultes Objekt, welches laut den Angaben des Films sogar älter sein soll als das bekannte Ouija-Brett. Wie dieses ermöglicht auch das Pendelbrett den Kontakt zu einer spirituellen Macht.
Dass sich der weitere Verlauf der Geschichte nicht zum Positiven entwickelt, ist wenig überraschend. Leider verpasst Russell die Chance, dem bekannten Konzept neue Facetten hinzuzufügen.
Die Mischung aus Hexenhorror, Besessenheitsfilm und einer Prise Final Destination ist im Jahr 2026 kaum noch geeignet, das Publikum zu überraschen. Während Filme wie Talk to Me zuletzt bewiesen haben, wie sich bekannte Genre-Motive neu interpretieren lassen, arbeitet Witchboard vor allem vertraute Muster ab und wirkt dadurch wie eine Zeitreise in die frühen 2000er-Jahre. Da kann auch der angedeutete Drogen-Subtext, der dem Geschehen eine zusätzliche Ebene verleihen soll, wenig ändern.
Ein aus der Zeit gefallener Horrorfilm
Der größte Unterschied zu vielen modernen Horrorfilmen zeigt sich in der visuellen Gestaltung. Sowohl das entsättigte, kühle Color Grading als auch die digitale Optik wirken etwas aus der Zeit gefallen.
Während Chuck Russells Ursprünge im Horrorfilm liegen, der stark von aufwendigen praktischen Effekten geprägt war – Der Blob gehört bis heute zu den eindrucksvollsten Effektfilmen der 80er-Jahre –, setzte der Regisseur im weiteren Verlauf seiner Karriere zunehmend auf digitale Produktionen. Zuletzt war Russell vor allem für kleinere B-/C-Actionfilme verantwortlich, die nicht mehr an die Qualität seiner früheren Werke heranreichen konnten. Statt sich bei Witchboard vollständig auf seine Ursprünge zurückzubesinnen, kommen auch hier fast ausschließlich digitale Effekte zum Einsatz. Dadurch erinnert der Film stellenweise eher an eine aufwendigere Episode von Charmed als an einen modernen Kinofilm. Die glatten CGI-Effekte, die künstlichen Lichtquellen und die sterile digitale Bildästhetik verstärken zusätzlich den Eindruck, dass man einen vergessenen Horrorfilm aus den frühen 2000er-Jahren wiederentdeckt.
Solide Figuren, aber begrenzte Möglichkeiten
Schauspielerisch bewegt sich Witchboard im soliden Mittelmaß. Während größere Namen wie Jamie Campbell Bower (Stranger Things) dem Film etwas zusätzliche Qualität verleihen können, merkt man anderen Figuren ihre schauspielerischen Grenzen deutlich an. Gelegentlich rutscht der Film sogar in die Nähe einer qualitativ besseren Hallmark-Produktion. Trotzdem bleiben die Figuren sympathisch. Sowohl Emily als auch Christian sind Hauptfiguren, denen man gerne folgt. Auch das Restaurant-Setting wirkt interessant und unverbraucht. Dadurch hebt sich der Film zumindest etwas von anderen Genrevertretern ab.
Durch die verschiedenen Zeitebenen bleibt der Film zunächst dynamisch und entwickelt nur selten Längen. Russell springt dabei zwischen der Gegenwart und dem 17. Jahrhundert hin und her. Dennoch wäre die Laufzeit von knapp zwei Stunden nicht unbedingt notwendig gewesen.
Die Szenen, die während des puritanisch geprägten 17. Jahrhunderts spielen, fallen qualitativ unterschiedlich aus. Die Eröffnungssequenz erzeugt zunächst eine stimmungsvolle Atmosphäre, bei der Feuer, Schatten und geschickte Beleuchtung die geringen Möglichkeiten gelungen kaschieren.
Im weiteren Verlauf merkt man dem Film jedoch zunehmend sein begrenztes Budget an. Wie bei vielen Produktionen dieser Art wirken die historischen Szenen teilweise eher wie ein kostengünstiges Kostümdrama als wie ein hochwertiges Historiendrama.
Witchboard versucht eine größere Geschichte über Jahrhunderte hinweg zu erzählen, am Ende fehlen ihm allerdings die visuellen Mittel, um eine wirklich überzeugende Welt zum Leben zu erwecken.
Fazit: Verstaubter Hexenhorror mit nostalgischer Note
Der letzte Film von Chuck Russell ist ein durchwachsenes Werk. Für Fans des Regisseurs ist es dennoch schön, noch einmal einen Film von ihm zu sehen, der deutlich an seine Horror-Vergangenheit erinnert und eine Rückbesinnung auf das Jahrzehnt darstellt, das seine Karriere geprägt hat.
Dass Witchboard eher wie ein Horrorfilm aus den frühen 2000er-Jahren wirkt, kann dabei sowohl positiv als auch negativ bewertet werden. Einerseits besitzt der Film dadurch einen gewissen nostalgischen Charme. Andererseits wirkt er dadurch auch altmodisch und lässt eine moderne Entwicklung vermissen.
Die digitalen Effekte und der Mangel an neuen Ideen verhindern letztendlich, dass Witchboard aus der Masse ähnlicher Horrorfilme heraussticht. Es ist ein Film für Fans – insgesamt aber ein Werk, das ähnlich verstaubt wirkt wie das Thema, das es behandelt.
Zum Schluss bleibt dennoch ein Dank an Chuck Russell und seine früheren Arbeiten. Ohne Nightmare 3 – Freddy lebt! und Der Blob wäre das Horror-Genre um zwei großartige Filme ärmer. Auch wenn Witchboard nicht an diese Klassiker heranreicht, zeigt der Film zumindest die Leidenschaft eines Regisseurs, der seine Karriere einst mit einigen der spannendsten Horrorfilme der 80er-Jahre begann.
Witchboard (2024) ist seit dem 13. März 2026 in Deutschland auf Blu-Ray und DVD verfügbar oder digital bei unterschiedlichen VOD-Anbietern abrufbar.


