Evil Dead Burn
| Filmkritik

Evil Dead Burn (2026)

Brutaler denn je – reicht mehr Gore für einen guten Evil Dead?

Vor drei Jahren kehrte das dämonische Grauen in Form von Evil Dead Rise zurück in die Kinos und stürzte ein Apartmenthaus ins Chaos.
Schnell entwickelte sich der Film zum bis dato erfolgreichsten Ableger der Tanz der TeufelFilmreihe. Kaum verwunderlich ist es also, dass die Produzenten rund um Schöpfer Sam Raimi beschlossen, das Franchise fortzusetzen.
Regie übernimmt diesmal der französische Regisseur Sébastien Vaniček, der mit seinem Film Spiders – Ihr Biss ist der Tod auf sich aufmerksam machte und 2024 einen ersten Entwurf für eine mögliche Fortsetzung präsentierte. Er löst damit Lee Cronin ab, der mit The Mummy seine eigene Evil-Dead-eske Adaption des Universal-Klassikers in die Kinos brachte.
Unabhängig einzelner Stimmen können sich Fans der Filmreihe darauf einigen, dass die Tanz der Teufel-Filme bisher noch keinen wirklich schlechten Ableger hervorgebracht haben. Selbst die TV-Serie mit Bruce Campbell erfreut sich großer Beliebtheit. Damit ist die Reihe womöglich eines der letzten großen Horror-Franchises, das sich noch keinen echten Fehltritt erlaubt hat.
Umso größer sind die Erwartungen an Evil Dead Burn: Kann der Film die Tradition der Reihe fortsetzen oder zeigt sich auch bei den Deadites langsam eine gewisse Ermüdungserscheinung?
Ihr erfahrt es hier in meiner Filmkritik.

Worum geht es in Evil Dead Burn?

Alice (Souheila Yacoub) wird zur Witwe, als ihr Ehemann Will (George Pullar) nach einem heftigen Streit in sein Auto steigt und verunglückt. Nach der Beerdigung kommt Alice bei ihrer Schwiegerfamilie unter. Auf dem heruntergekommenen Landsitz der Familie wollen sie gemeinsam Will gedenken. Doch irgendetwas hat die Aufmerksamkeit der Deadites auf die trauernde Familie gelenkt. Es dauert nicht lange, bis das pure Chaos innerhalb der Familie ausbricht.

Ein neues Level der Gewalt?

Bereits im Vorfeld sorgte Evil Dead Burn für größere Schlagzeilen, als bekannt wurde, dass dieser Teil der brutalste Film der Reihe werden sollte. Es mussten erhebliche Schnitte vorgenommen werden, damit der Film ein gewünschtes R-Rating erhält und keine NC-17-Freigabe bekommt. Selbst in Deutschland gab es zunächst Diskussionen darüber, ob der Film ungeschnitten in die Kinos kommen würde. Glücklicherweise entschied man sich gegen eine gekürzte Fassung.
Allerdings bleibt offen, ob nicht noch ein wesentlich brutalerer „Director’s Cut“ für das Heimkino erscheinen wird. Laut Regisseur Sébastien Vaniček gibt es im Film eine Szene, die gekürzt werden musste, damit die gewünschte Freigabe erteilt werden konnte.
Rückblickend sind solche Entscheidungen jedoch kein Novum für die Filmreihe. Bereits 2013 gab es erhebliche Unterschiede zwischen der Kinofassung von Evil Dead und dem deutlich expliziteren Extended Cut. Doch ist Evil Dead Burn wirklich so brutal, oder handelt es sich schlichtweg um eine Marketingstrategie?
Die Antwort liegt irgendwo dazwischen. In erster Linie ist Gewalt eine subjektive Wahrnehmung. Vergleicht man die Szenen allerdings mit dem Vorgänger Evil Dead Rise, lässt sich durchaus eine Steigerung feststellen.
Während in Rise die viel beworbene Käsereibe eher eine Enttäuschung blieb, sorgt hier ein Einwegrasierer für deutlich mehr Gänsehaut. Wesentlich härter wird es allerdings, wenn die Klappe der Spülmaschine einen Kopf zertrümmert oder der Rasentrimmer voll aufgetankt wird. Dass insbesondere diese beiden Szenen wieder Frauen zur Zielscheibe der Gewalt machen, erzeugt zurecht Kritik. Dass sich der Film häusliche Gewalt als Metapher auf die Fahne schreibt, hilft dabei allerdings nur bedingt. In Evil Dead Burn wird gesplattert – teilweise mit wirklich gut getricksten Effekten, teilweise mit mittelmäßigen digitalen Effekten, die insbesondere im Finale zum Einsatz kommen. Wer also für den Gore ins Kino geht, wird nicht enttäuscht. Aber reichen Splatter und Gore für einen guten Film?

Emotionale Distanz durch eine unsympathische Familie


Es wirkt fast ein wenig, als wolle sich Evil Dead Burn auf seinen Lorbeeren ausruhen und den Fans genau das liefern, was sie von der Reihe erwarten.
Allerdings sind gute Effektarbeit und originelle Gewaltszenen leider nur die halbe Miete. Zwischen Selbstverstümmelung und Eskalation vergisst der Regisseur, seinen Figuren mehr Charakter zu verleihen. Ja, Vaniček möchte düster und nihilistisch sein und gibt sich dafür auch jede Menge Mühe. In grau-braunen, tristen Farben erzählt er seine Geschichte über eine zerrüttete Familie, die scheinbar nur aus Unsympathen besteht.
Während bei Vater und Mutter bereits zu Beginn jegliche Hoffnung auf Sympathie verloren geht, schafft er es auch nicht, die Figuren von Thya (Luciane Buchanan) und Joseph (Hunter Doohan) besser auszuarbeiten. Dafür bleibt erstere zu kurz im Spiel, während Joseph zunächst wie der sensible Gegenpol zum Rest der Familie wirkt. Später entpuppt er sich zunehmend als jemand, der Konflikten aus dem Weg geht und Verantwortung vermeidet. Er scheint die Probleme innerhalb seiner Familie zu kennen, greift aber kaum ein, selbst dann nicht, wenn sein Handeln das Leben seiner Freundin retten könnte. Damit ist Joseph eine weitere Darstellung toxischer Männlichkeit, wie sie zuletzt auch in Obsession (2026) und Companion zu beobachten war: weniger geprägt durch offene Aggression, sondern durch Konfliktscheu und die Unfähigkeit, Verantwortung zu übernehmen.Dann wäre da noch Oma Price (Maude Davey), die lediglich in die verzweifelte Rolle des Comic Relief gesteckt wird. Mit ihrer Hilfe, dem geschickten Einsatz von Schnitt und einigen Überraschungsmomenten versucht Evil Dead Burn gelegentlich, sich aus seiner komplett düsteren Grundstimmung zu befreien und einen Hauch des bizarren Raimi-Humors unterzubringen. Leider wirken diese Szenen meist so konträr zum Rest des Films, dass sie eher wie ein Fremdkörper als wie ein gelungen eingesetztes Stilmittel erscheinen.
Zuletzt bleibt im traurigen Haufen der Familie Price nur noch Alice. Als eingeheiratetes Familienmitglied ist sie keine Blutsverwandte und wird von den meisten Angehörigen nicht wirklich akzeptiert. Ihre Figur kämpft mit aller Kraft ums Überleben und dank einer wirklich starken Leistung von Souheila Yacoub besitzt der Film immerhin eine echte Identifikationsfigur.

Evil Dead im Autopilot


So wirklich innovativ will sich Evil Dead Burn nicht anfühlen. Figurenzeichnung und Eskalation hat man bereits in den Vorgängern eine Nummer besser gesehen, während metaphorischer Horror mittlerweile ebenfalls kein neues Stilmittel mehr ist.
Das Necronomicon spielt in diesem Teil eine untergeordnete Rolle, und ein später im Film auftauchender Nebenplot wird zu klassischen McGuffin-Jagd. Es mag auch an der kurzen Pause zwischen den Filmen liegen, dass Evil Dead Burn am Ende eher wie ein durchschnittliches Erlebnis wirkt.
Trotz bemühter Kreativität beim Einsatz der Deadites, einigen Evil-Dead-typischen Kamerafahrten und einem beeindruckend gefilmten One-Shot kommt eher Langeweile als Enthusiasmus auf. Ganz unschuldig ist dabei sicherlich auch die Marketingkampagne nicht, die viele der besten Szenen bereits in den Trailern gezeigt hat. Außerdem spricht es nicht unbedingt für den Film, wenn sich die beste Szene erst ganz am Ende – nach dem Abspann – befindet.

Fazit: Blutig, aber nicht bahnbrechend

Ist Evil Dead Burn also der erste echte Fehltritt der Reihe? Noch nicht ganz.
Sébastien Vaničeks Film mag der Reihe nicht viel Neues hinzufügen, aber er zerstört auch nichts. Es ist ein weiteres Kapitel aus dem Evil-Dead-Universum, das für Neueinsteiger:innen und alte Fans gleichermaßen zugänglich gestaltet ist.
Ein blutiges Schlachtfest, dem es etwas an Innovation fehlt, das aber immer wieder aufblitzen lässt, wohin die Reise der Reihe in Zukunft gehen könnte.

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