Freitag der 13.-Filmreihe:
Die Summer-Camp-Klassiker
in der Retrospektive

Von Camp Crystal Lake bis Jason Voorhees – Aufstieg, Mythos und Rechtsstreit einer Horror-Ikone

Seit seiner Veröffentlichung 1980 gilt Freitag der 13. als Vorreiter des Summer-Camp-Slashers und inspirierte viele weitere Filme der 80er Jahre dazu, ein ähnliches Setting zu wählen. Heutzutage sind Ferienlager ein ausgelutschtes Klischee in Horrorfilmen und dienen meist nur noch als Vorlage für Slasher-Parodien. Wie sich Freitag der 13. zu einem der wichtigsten Franchises im Horror-Genre entwickelte und wieso wir seit 2009 keine neuen Filme mehr bekommen haben, erfahrt ihr in diesem Summerween Special: Freitag der 13. Filmreihe: Die Summer-Camp-Klassiker in der Retrospektive.

Die Anfänge und das Vorbild Halloween

Es ist der 25. Oktober 1978. Junge Paare strömen in die Kinos, um sich das neueste Werk des damals noch relativ unbekannten Regisseurs John Carpenter anzuschauen.
Halloween – Die Nacht des Grauens lautet der Titel des Horrorfilms, der das Genre nachhaltig verändern sollte. Günstig produziert, entwickelte sich Halloween zu einem weltweiten Erfolg. Trotz vorheriger Filme wie Jessy – Die Treppe in den Tod oder The Texas Chainsaw Massacre markierte er einen Wendepunkt für den Teenie-Slasher. Ein wortkarger, maskierter Killer, der Jagd auf Jugendliche macht, wurde zur Blaupause für das Horrorkino der 80er Jahre. Einer der Zuschauer von Halloween war Sean S. Cunningham. Zu diesem Zeitpunkt selbst noch ein unbekannter Regisseur, der bereits erste Erfahrungen im Horror-Genre gesammelt hatte. 1972 produzierte er zusammen mit seinem Freund und Kollegen Wes Craven den Horrorfilm The Last House on the Left. Beeindruckt davon, wie Carpenter mit nur 325.000 Dollar Budget einen solchen Erfolg erzielen konnte, wuchs in Cunningham die Idee, selbst einen günstigen Teenie-Slasher zu inszenieren. Mit einer Werbeanzeige für den fiktiven Freitag der 13. im Magazin Variety sorgte Cunningham schließlich für die nötige Aufmerksamkeit, um das Projekt ins Rollen zu bringen.

Von Freitag der 13. zu Jason Voorhees

Es ist kein Geheimnis, dass Cunningham und sein Team eine Kopie von Halloween erschaffen wollten. Gleichzeitig sollte der Film dem Publikum etwas Neues bieten.
Cunningham und sein Drehbuchautor Victor Miller orientierten sich dabei an der Formel von Halloween, die später auch als inoffizielles Regelwerk für viele Slasherfilme diente: Teenager, die isoliert von der Außenwelt Alkohol trinken, Drogen nehmen und Sex haben und schließlich brutal ermordet werden. Um sich klar vom Vorbild zu unterscheiden, wurde das Setting in ein Ferienlager verlegt. Dieses bot nicht nur Isolation, sondern war zugleich ein vertrauter Ort für viele Kinogänger:innen. Der zweite große Unterschied zu Halloween war der Umgang mit Gewalt. Während Carpenter bewusst auf explizite Darstellung verzichtete, wollte Cunningham sein Publikum schockieren. Beeinflusst vom italienischen Giallo, insbesondere Mario Bavas A Bay of Blood, sowie der Effektarbeit in George Romeros Dawn of the Dead, holte er den Spezialeffekte-Künstler Tom Savini an Bord.
Miller schrieb das Drehbuch zu Freitag der 13., welches damals noch den Arbeitstitel Long Night at Camp Blood besaß. Das Script enthielt viele Elemente, die später den Kanon um Jason Voorhees prägen sollten. Dazu gehörten das „Camp Crystal Lake“, der junge Jason, der durch Ertrinken starb, und seine Mutter Pamela Voorhees. Diese Figuren und Motive waren zunächst ausschließlich für den ersten Film gedacht, sollten jedoch später noch zu rechtlichen und kreativen Komplikationen führen.
Paramount Pictures veröffentlichte den Film, der sich an den Kinokassen schnell zu einem Erfolg entwickelte. Mit einem Budget von rund einer halben Million Dollar spielte Freitag der 13. weltweit etwa 60 Millionen Dollar ein. Dieser Erfolg führte dazu, dass Paramount weitere Filme in Auftrag gab. Das Problem: Pamela Voorhees war im ersten Film bereits besiegt. Es brauchte also einen neuen Antagonisten. So kehrte Cunningham zur Figur Jason Voorhees zurück, diesmal als erwachsener Killer, der sich an unaufmerksamen, verantwortungslosen Campaufsehern rächt. Bereits ein Jahr später erschien mit Freitag der 13. – Jason kehrt zurück der nächste Teil im Kino. Damit begann endgültig die Entwicklung der Slasher-Ikone Jason Voorhees, die spätestens ab Teil 3 ihr charakteristisches Erscheinungsbild erhielt.

Der Aufstieg und Fall des Jason Voorhees

Für die weiteren Freitag der 13.-Filme zog sich Sean S. Cunningham aus der Regie zurück, fungierte jedoch weiterhin als Produzent. Miller schied als Drehbuchautor ebenfalls aus. Die Leitung vieler der späteren Fortsetzungen übernahm der junge Produzent Frank Mancuso Jr., Sohn von Mancuso Sr., der eine der führenden Positionen bei Paramount Pictures innehatte. Trotz inhaltlicher Logiklöcher funktionierten die Fortsetzungen an den Kinokassen weiterhin, weshalb das Konzept fortgesetzt wurde. Wie bereits bei Teil 2 übernahm Steve Miner auch für den dritten Teil Und wieder ist Freitag der 13. die Regie. Gerade dieser Film bildet einen besonderen Wendepunkt in der Geschichte rund um Jason Voorhees. Einerseits ist er der einzige Teil der Reihe, der in 3D gedreht wurde – ein Gimmick, das zu dieser Zeit großer Beliebtheit erfreute. Es ist allerdings die ikonische Hockeymaske, die Jason Voorhees unsterblich machen sollte. Zuvor noch mit einem Kissenbezug verkleidet, findet Jason in diesem Teil die Hockeymaske, die seither sein Markenzeichen bildet. Wer die Idee hierfür hatte, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Um diese Szene ranken sich viele Mythen und Legenden, da im Nachhinein viele Beteiligte für sich beanspruchen, daran beteiligt gewesen zu sein. Während der Dreharbeiten war jedoch noch niemandem wirklich bewusst, welche ikonische Figur hier gerade entstand.
Obwohl die Einspielergebnisse der Fortsetzungen nicht an das Original heranreichten, blieb das Verhältnis von Kosten und Einnahmen weiterhin solide. Jason war mittlerweile der heimliche Mittelpunkt der Reihe geworden, und so wirkte jeder Teil wie ein neues Kapitel seines Mythos.
Die Teile 4 bis 6 bilden eine lose interne Trilogie, in deren Zentrum die Figur Tommy Jarvis steht – ein Junge, dessen Leben maßgeblich durch Jasons Taten geprägt wurde. Interessanterweise gelten gerade diese Filme sowohl als Höhepunkte als auch als Tiefpunkte des gesamten Franchises.
In Freitag der 13. Teil VII – Jason im Blutrausch ließen die Macher Jason gegen Tina antreten, ein Mädchen mit übernatürlichen Fähigkeiten. Ursprünglich war sogar ein Crossover mit Stephen Kings Figur Carrie geplant, dieses scheiterte jedoch aus rechtlichen Gründen. Obwohl sich die Reihe zu diesem Zeitpunkt bereits in einer Abwärtsspirale befand, erhielt sie mit Kane Hodder einen Jason-Darsteller, der die Figur durch seine markante Körperlichkeit und Gestik entscheidend prägte und sie in mehreren Filmen verkörperte. Nachdem Freitag der 13. fast ein Jahrzehnt lang mit jährlichen Fortsetzungen präsent war, war nach Freitag der 13. Teil VIII – Todesfall Manhattan vorerst Schluss für die Reihe.

Neustart bei New Line Cinema und der Weg in den Rechtsstreit

Anfang der neunziger Jahre kam es zu den ersten Ereignissen, die zeigen, wie verzwickt die Rechtslage innerhalb des Freitag der 13.-Franchises ist. Nachdem Paramount Pictures die Reihe für beendet erklärt hatte, erwarb Cunningham einen Teil der Rechte zurück, um mit New Line Cinema weitere Fortsetzungen zu realisieren.
Da die Namensrechte allerdings weiterhin bei Paramount lagen und auch der Name Voorhees rechtlich geschützt war, wurde Teil 9 der Reihe unter dem Titel Jason Goes to Hell – Die Endabrechnung veröffentlicht. Der Ansatz der Filme unter New Line Cinema war eine Neuausrichtung, da die zunehmende Redundanz innerhalb der Reihe einer der größten Kritikpunkte geworden war. Zu dieser Zeit entstanden auch die ersten Ideen zum Horror-Crossover Freddy vs. Jason. New Line Cinema besaß nämlich ebenfalls die Rechte an der Nightmare on Elm Street-Reihe.
Teil 9 floppte an den Kinokassen. Trotz eines selbstreferenziellen Openings und einiger brutaler Kills gefiel den Fans die neue Ausrichtung des Films nicht. Es folgte eine längere Pause, in der versucht wurde, das Crossover-Projekt auf den Weg zu bringen. Dazu kam es schließlich erst im Jahr 2003. Zuvor erschien Jason X. Sean S. Cunningham und seinem Team war bewusst, wie absurd die Idee war, Jason in den Weltraum zu schicken. Trotzdem hielten sie daran fest – ein letzter Schrei der Verzweiflung in einem Setting, in dem niemand die Schreie hört. Jason X wird bis heute kontrovers diskutiert und ist der bisher einzige Teil, der auch finanziell als Flop gilt.
Im Zuge der Welle von Horror-Remakes, die in den 2000er Jahren das Genre dominierten, erschien 2009 ein Reboot von Freitag der 13.. Regie führte Marcus Nispel, während Michael Bay als Produzent fungierte. Das Duo hatte bereits zuvor an Remakes großer Horror-Klassiker gearbeitet. Obwohl der zwölfte Teil sich gut verkaufte, blieben Fortsetzungen aus. Dabei wäre der nächste Film der 13. Freitag der 13.-Teil gewesen.
Kreative Differenzen und eine verzwickte Rechtslage sind häufig genannte Gründe für das Scheitern weiterer Projekte.
Ein Wermutstropfen war das 2017 erschienene Videospiel Friday the 13th: The Game, das von Gun Media entwickelt und von Sean S. Cunningham abgesegnet wurde. Das Spiel enthielt zahlreiche Easter Eggs der Filmreihe, detailgetreue Maps, während Kane Hodder als Vorlage für die Jason-Animation diente und Harry Manfredini, Komponist des Originalfilms, den Soundtrack übernahm. Ein spielbarer Freitag der 13.-Ableger, in dem Spieler:innen sowohl in die Rolle von Jason als auch eines Final Girls schlüpfen konnten. Eine auslaufende Lizenz sorgte jedoch für das schnelle Ende des Spiels, welche bereits bereits 2018 keine neuen Updates bekam und 2024 vom Markt genommen wurde.
Kurz zuvor hatte der Drehbuchautor Victor Miller eine Klage eingereicht und die Rechte am ersten Freitag der 13.-Teil zurückverlangt.

Victor Miller vs. Sean S. Cunningham – Die Zukunft von Freitag der 13.

Der Paragraph 203 des U.S. Copyright Act besagt, dass ein Autor sich nach 35 Jahren die Urheberrechte an seinen Werken zurückholen kann. Nach Ansicht Millers ist er der Urheber von Freitag der 13., da er das Drehbuch des ersten Films schrieb. Cunningham hingegen argumentierte, er sei der eigentliche Schöpfer gewesen, da Miller lediglich als Autor im Auftrag ein Drehbuch auf Grundlage seiner Idee verfasst habe. Dieser Disput führte dazu, dass sich die Rechtslage von Freitag der 13. erheblich verkomplizierte und neue Projekte praktisch unmöglich wurden. Erst Jahre später kam es zu einem finalen Urteil, das Miller als Urheber des ersten Films bestätigte – jedoch ausschließlich in Bezug auf den Originalfilm. Damit kann Miller frei über „Camp Crystal Lake“, den kindlichen Jason und Pamela Voorhees verfügen, jedoch nicht über den ikonischen Jason mit Hockeymaske. Diese Rechte liegen weiterhin bei Sean S. Cunningham bzw. Horror Inc. Somit war die rechtliche Lage zwar teilweise geklärt, die Zukunft des Franchises blieb jedoch weiterhin kompliziert. Solange sich die beiden Rechteinhaber nicht einigen, gäbe es entweder Freitag der 13.-Filme ohne erwachsenen Jason oder Jason-Filme, die nicht offiziell im Freitag der 13.-Universum stattfinden dürften.
Mittlerweile haben sich die Wogen geglättet, und nach über siebzehn Jahren Pause wird es im Oktober 2026 erste Lebenszeichen am „Camp Crystal Lake“ geben. Das bereits 2022 angedachte Projekt Crystal Lake wird Realität. Das Konzept erinnert an Serien wie Bates Motel oder Ratched und beleuchtet die Vorgeschichte von Pamela Voorhees. Diese wird von Linda Cardellini verkörpert. Als Showrunner fungiert Brad Caleb Kane, produziert wird das Projekt von A24. Da sowohl Cunningham als auch Miller ihre Rechte in das Projekt einbringen, darf man gespannt sein, in welcher Form Jason zurückkehren wird.
Im klassischen Sinne der Reihe sind Jason und Freitag der 13. nicht totzukriegen, und wir können uns zumindest vorsichtig auf eine Rückkehr an unseren liebsten Badesee freuen.

Welcher Freitag der 13.- Film bei mir am besten abgeschnitten hat, erfahrt ihr in meinem Ranking zur Freitag der 13.- Filmreihe.

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