Es war förmlich eine Erschütterung der Macht zu spüren, die durch die Reihen der Fans ging, als Star Wars: Episode IX – Der Aufstieg Skywalkers 2019 in die Kinos kam. Viele fühlten sich vor den Kopf gestoßen über die Art und Weise, wie Regisseur J.J. Abrams die Trilogie zu Ende führte. Trotz des großen Erfolgs an den Kinokassen war Episode IX zunächst der letzte Kinofilm, nachdem Disney zwischen 2015 und 2019 insgesamt fünf Filme auf die Leinwand brachte.
Parallel zum Finale der letzten Star-Wars-Trilogie startete im November 2019 die erste Live-Action-Serie: The Mandalorian. Exklusiv für den eigenen VOD-Anbieter Disney+ produziert, wurde die Serie zu einem Funken der Hoffnung in einem Franchise, das sich in einer kreativen Krise befand. Ein neuer Ansatz: keine Laserschwerter, keine Sith, keine Jedi und eine Geschichte, in der es primär nicht um die Rettung der Galaxie geht. The Mandalorian wurde wesentlich kleiner angelegt und konzentrierte sich auf die Ursprünge des Franchise – ein Sci-Fi-Western, der sich am japanischen Samurai-Kino orientiert. Das Duo aus dem Mandalorianer (gespielt von Pedro Pascal) und seinem Sidekick Grogu (anfangs als Baby Yoda bekannt) ist eine Hommage an die Filmreihe Lone Wolf and Cub, in der ein Samurai mit seinem Kind durch die Lande streift. Der Erfolg von The Mandalorian führte zu insgesamt drei Staffeln sowie Gastauftritten in The Book of Boba Fett. Gleichzeitig löste die Serie einen Boom an Star-Wars-Serien aus, deren Qualität jedoch stark schwankte.
Nach drei Jahren Abwesenheit kehrt das Duo „Mando & Grogu“ für ein neues Abenteuer zurück. Nach sieben Jahren ist dies der erste Star-Wars-Film auf der großen Leinwand.
Ob Star Wars: The Mandalorian & Grogu gelungen ist und ob das Konzept auch im Kino funktioniert, lest ihr in meiner Filmkritik.
Worum geht es in Star Wars: The Mandalorian & Grogu?
Einige Jahre nach den Ereignissen der dritten Staffel von The Mandalorian haben sich Din Djarin (Pedro Pascal) und Grogu in die Dienste der Neuen Republik gestellt. Das Imperium wurde besiegt, doch weiterhin gibt es Überreste seiner Armee, die verteilt in der Galaxis auf die Rückkehr eines neuen Galaktischen Imperiums lauern.
In ihrer Funktion als Kopfgeldjäger macht das ungleiche Duo Jagd auf die flüchtigen Kriegsherren. Von Colonel Ward (Sigourney Weaver) bekommen sie den Auftrag, den mysteriösen Lord Janu Coin (Jonny Coyne) zu fangen. Um dessen Identität herauszufinden, müssen sie vorher den vermissten Hutten Rotta (Jeremy Allen White) finden. Dieser soll zu seinem Hutten-Clan zurückgebracht werden, der inzwischen von Jabbas Nachfolgern, den Zwillingen, angeführt wird. Ihr Abenteuer führt den Mandalorianer und Grogu durch die Gladiatorenhallen des Planeten Shakaris, ehe die beiden selbst Opfer eines Komplotts der Zwillinge werden und Grogu plötzlich auf sich allein gestellt ist.
The Mandalorian für Anfänger
The Mandalorian & Grogu ist nicht der erste Kinofilm, der aus einer (TV-)Serie entstanden ist. Egal ob Twin Peaks, Sex and the City oder Firefly – immer wieder gab es Filme, die den Erfolg einer TV-Serie auf die große Leinwand brachten. Die Resultate waren meist gemischt: Entweder überzeugte die Story nicht, sie konnte die Atmosphäre ihrer Vorlage nicht transportieren oder der Erfolg blieb überschaubar, weil Nicht-Fans der inhaltliche Zugang verwehrt wurde.
Letztes Jahr erschien Peaky Blinders – The Immortal Man, ein Spielfilm zur beliebten Gangsterserie Peaky Blinders. Hier entschied sich Netflix, wie häufig bei exklusiven Inhalten, für einen limitierten Kinostart und veröffentlichte den Film anschließend auf seiner VOD-Plattform. Eine Option, die auch für The Mandalorian & Grogu denkbar gewesen wäre. Doch bei einem Budget von 160 Millionen Dollar hätte sich ein limitierter Kinostart falsch angefühlt — insbesondere mit Blick auf die gigantische Fanbase hinter der Marke Star Wars. Bei solch hohen Produktions- und Werbekosten, einer derart großen Marke und einer langen Pause von sieben Jahren seit dem letzten Kinofilm stellt sich jedoch die Frage: Für wen wurde The Mandalorian & Grogu gedreht? Für die breite Masse, Fans der Serie oder exklusive Disney+-Abonnent:innen? Dass Disney seine Geschichten exklusiv auf der eigenen Plattform weitererzählt, mussten Marvel-Fans am eigenen Leib erfahren, als mit dem Start der ersten Marvel-Serien Storylines hinter einer Paywall weitergeführt wurden.
Etwas anders verhält es sich bei diesem Star Wars-Film: Das Team um Dave Filoni und Jon Favreau entschied sich dafür, auf Nummer sicher zu gehen und eine eigenständige Geschichte zu erzählen, die sowohl Fans als auch Neueinsteiger:innen abholt und kein Vorwissen benötigt. Eine Entscheidung, die zwar Zugänglichkeit schafft, aber auch einige Probleme mit sich bringt.
Kleine Geschichte auf großer Leinwand
Blickt man auf die bisherigen Star-Wars-Filme zurück, kommen einem sofort epische Momente in den Sinn. Eine zunächst simple Geschichte, die den ultimativen Kampf von Gut gegen Böse, Hell gegen Dunkel erzählt. Ein spektakuläres Epos, das explodierende Planeten, Raumschlachten und dramatische Laserschwertduelle in den Mittelpunkt stellt. Eine Heldenreise zur Rettung der Galaxie.
Bereits seit 1977 ist Star Wars der Inbegriff des Blockbuster-Kinos, das große Bilder auf die große Leinwand bringt. Selbst Ableger wie Rogue One oder Solo: A Star Wars Story waren als bildgewaltige Abenteuer angelegt.
Dass The Mandalorian & Grogu eine wesentlich kleinere und persönlichere Geschichte erzählt, widerspricht dem klassischen Star-Wars-Bild und könnte gerade jene Fans verärgern, die für größeres Spektakel ins Kino gehen.
Dabei orientiert sich der Film an den Großen. Die Eröffnung mit Schneelandschaft und AT-ATs wirkt wie ein nostalgischer Rückblick auf Star Wars: Episode V – Das Imperium schlägt zurück, während das Dschungel-Setting und der Grubenkampf Parallelen zu Star Wars: Episode VI – Die Rückkehr der Jedi-Ritter aufweisen. An Action und imposanten Bildern mangelt es dem Abenteuer nicht. Favreau manövriert seine Helden durch einen Film, der dialoglastige Szenen geschickt mit humorvollen und actiongeladenen Momenten abwechselt. In der zweiten Hälfte wird das Tempo zwischenzeitlich so weit gedrosselt, dass man minutenlang Grogu bei der Erkundung eines Planeten begleitet.
Nüchtern betrachtet geht es dabei um nicht besonders viel. Es ist der Alltag eines Kopfgeldjägers und die damit verbundenen Probleme. Zuschauer:innen der Serie kennen diesen Ablauf zur Genüge. Genau darin liegt jedoch der Charme. Es sind die Figuren, die die Geschichte tragen und ihr emotionale Tiefe verleihen.
„Dass The Mandalorian & Grogu eine wesentlich kleinere und persönlichere Geschichte erzählt, widerspricht dem klassischen Star-Wars-Bild und könnte gerade jene Fans verärgern, die für größeres Spektakel ins Kino gehen.“
The Mandalorian & Grogu: Zwei Helden auf Augenhöhe
Egal, ob man die Figuren bereits seit mehreren Staffeln begleitet oder neu in diese Welt eintaucht: The Mandalorian & Grogu schafft es, die Essenz seiner Helden zu vermitteln. Eine Szene, in der Pedro Pascal der Helm abgenommen wird, zeigt kurzzeitig das Gesicht des Mandalorianers und erinnert an den strengen Kodex seines Volkes. Ein anderer Moment, in dem Grogu den richtigen Knopf drücken soll, um das Raumschiff zu starten, stattdessen jedoch die Raketen auslöst, verdeutlicht die Dynamik der Beziehung zwischen Din Djarin und seinem Schützling. Favreau gibt beiden Helden ausreichend Raum, ihre Persönlichkeiten voll zur Entfaltung zu bringen. Das führt dazu, dass sich der Film sehr deutlich in zwei Hälften gliedert und seinen seriellen Ursprung unterstreicht.
Die erste Hälfte gehört dem Mandalorianer. Seine Mission steht im Mittelpunkt, ehe ihn eine Verletzung aus der Bahn wirft und sein knuddeliger Sidekick die Führung übernehmen muss. Damit werden zugleich die besten Szenen des Films eingeleitet.
Denn nicht nur erzählerisch ist der Film zweigeteilt, auch visuell zeigen sich deutliche Unterschiede. Zu Beginn wirkt die Inszenierung wesentlich digitaler, während die zweite Hälfte die volle Star-Wars-Magie entfaltet. Es ist Phil Tippett, der unter anderem die Kreaturen für Star Wars: Episode IV – Eine neue Hoffnung und Jurassic Park erschuf und mit seinem Team die Wesen in The Mandalorian & Grogu zum Leben erweckt.
Wie in einem Film von Jim Henson wirken viele Szenen der zweiten Hälfte wie ein beeindruckendes Puppentheater und zugleich wie eine Liebeserklärung an das Stop-Motion-Kino. Es ist nahezu unmöglich, sich ein Lächeln zu verkneifen, wenn sich Grogu gemeinsam mit den Anzellanern auf Rettungsmission begibt.
Fazit: Star-Wars-Feeling trotz TV-Charakter
Um mit einer Redewendung abzuschließen: The Mandalorian & Grogu ist nicht mehr als die Summe seiner Teile. Das ist völlig in Ordnung und wird für all jene eine große Freude sein, die sich mit den Figuren identifizieren können.
Die Musik von Ludwig Göransson – insbesondere das Mandalorian Theme – im wuchtigen Dolby-Sound eines Kinosaals zu erleben, ist ein wahrer Genuss. Darüber hinaus bietet der Film genügend Schauwerte, um einen Kinobesuch zu rechtfertigen.
Erzählerische Längen und austauschbare digitale Effekte werden von der starken zweiten Filmhälfte problemlos aufgefangen. The Mandalorian & Grogu ist ein in sich geschlossenes Abenteuer, das sowohl Fans als auch Neueinsteiger abholt.
Star Wars: The Mandalorian & Grogu läuft seit dem dem 20. Mai 2026 in den deutschen Kinos und ist sowohl in 2D und 3D verfügbar. Ich habe den Film in 2D gesehen.


