SPOILERWARNUNG
Ich werde nicht auflösen wer hinter der Maske steckt. Für diejenigen, die allerdings ohne jegliche Informationen in den Film gehen wollen, spreche ich eine Spoilerwarnung aus.
Chaos hinter den Kulissen
Kein Scream-Teil hat eine kompliziertere Vorgeschichte, als Scream 7. Weder Teil 2, der sich mit frühen Drehbuch Leaks auseinandersetzten musste, noch Teil 3, welcher mit der Abwesenheit von Schöpfer Kevin Williamson und dem Columbine Attentat zu kämpfen hatte. Melissa Barrera wurde im November 2023 während der Pre-Produktion von Scream 7 entlassen. Hintergrund waren politische Aussagen auf Social Media, die sich auf den israelisch-palästinensischen Konflikt bezogen und vom Studio Spyglass nicht toleriert wurden. Dies hatte zur Folge, dass weitere Beteiligte ausstiegen. Darunter Barrera’s Filmschwester und Co-Darstellerin Jenna Ortega, die aus Solidarität zu ihrer Kollegin, und weil das Projekt zu zerfallen schien, die Produktion verließ. Regisseur Christopher Landon (Happy Deathday) sollte die Regie für den neusten Scream übernehmen und das Erfolgsduo Radio Silence abgelösen. Ein massiver Shitstorm brachte Landon fälschlicherweise mit der Entlassung der beiden Darstellerinnen in Verbindung. Daraufhin verlies auch Landon die Produktion kurzfristig.
Zurück zum Ursprung
Scream 7 stand vor dem Aus. Das Drehbuch war ohne seine Darstellerinnen sinnlos und der Film ohne den Regisseur führerlos. Back to the roots: Schöpfer Kevin Williamson wird an Bord geholt. Der Kreativ-Kopf, der bereits maßgeblich für die ersten beiden Teile verantwortlich war, soll das Projekt retten. Ebenfalls wieder mit an Bord: Neve Campbell – das Gesicht der Reihe. Sidney Prescott, das Final Girl, das in fünf Filmen als Siegerin vom Platz ging, im sechsten Film jedoch aufgrund von Gehaltsdifferenzen fehlte. Auf einmal sind ihre Forderungen möglich – jetzt wo das Projekt zu scheitern drohte. Die Hintergründe von Scream 7 sind haarsträubend und werfen die Frage auf, warum man an einer Fortsetzung festhielt.
Wie gut der neue Scream geworden ist, erfährt ihr in meiner Review zu Scream 7.
Worum geht es in Scream 7?
Von New York nach nach Pine Grove. Der Ghostface Killer ist zurück und hat Sidney Prescott (Neve Campbell) – die jetzt Evans heißt – aufgespürt. Diese führt mittlerweile ein friedliches Familienleben und leitet ihr eigenes Café. Der friedliche Alltag der mehrfachen Mutter findet ein jähes Ende, als sich ein alter Bekannter per Facetime meldet und an der örtlichen Highschool die ersten Toten auftauchen. Zusammen mit ihrem Ehemann Mark (Joel McHale) und ihrer ältesten Tochter Tatum (Isabel May) begibt sie sich in den erneuten Kampf mit dem maskierten Killer. Kennen wir ihn/sie bereits, oder steckt jemand neues aus Pine Grove dahinter? Oder werden in Scream 7 Türen zu gänzlich neuen Territorien geöffnet?
Das Macher-Haus brennt – Ein Neuanfang?
Jeder Scream-Film lässt sich in drei Teile zerlegen: Das Opening, den Mittelteil und die Auflösung. Die Summe dieser Teile spiegeln die Qualität wider. Das Opening in Scream 7 funktioniert. Das berühmte Macher-Haus – blutiger Schauplatz der Teile 1 und 5 – ist ein Airbnb für Stab-Fans geworden. Filmposter, Kreideumrisse vergangener Opfer und eine Ghostface-Figur mit Bewegungsmelder zieren das Mörderhaus. Vollgestopft mit jeder Menge Fanservice für alle Personen auf und vor der Leinwand. Kaum überraschend endet das Opening in einem Blutbad, das nicht nur menschliche Opfer fordert. Das Macher-Haus geht in Flammen auf. Ein Bild, welches sagt: Wir lassen die Vergangenheit ruhen und begeben uns auf neue Pfade.
Neuer Schauplatz mit alter Formel
Schade, dass das wirkungsvolle Bild des Killers vor dem brennenden Haus nur für ein paar Sekunden anhält, ehe wir nach der Titeleinblendung direkt den ersten Querverweis um die Ohren gehauen bekommen.
War es wirklich notwendig Tatums Freund Ben (Sam Rechner) durch das Fenster in ihr Zimmer steigen zu lassen und sie mit den selben Worten wie im Original zu begrüßen? Das war wirklich unnötig.
Grundsätzlich zieht sich ein roter Faden durch den Film, der zeigt, dass man sich eben weiterhin nicht ganz vom Original lösen kann. Neuer Schauplatz, neue Figuren. Doch auch ca. dreißig Jahre später dreht sich alles um die ereignisreiche Nacht 1997. Die Nacht in der Sidney Prescott den beiden Mördern Stu Macher und Billy Loomis einen Strich durch die Rechnung machte. An diese Nacht werden wir – und auch Sidney – nur all zu oft erinnert. Ob durch eine Lederjacke, die Tatum auf dem Dachboden findet oder Lucas (Asa Germann), der ein Filmbesessener Stab-Fan und Podcaster ist. Scream 7 folgt seiner Formel. Das mag erstmal nicht sonderlich Innovativ wirken, doch wenn man ehrlich ist, dann kommen wir doch genau für diese Formelhaftigkeit wieder, oder?
Legacy Charaktere sterben nie!
Gelegentlich bricht der Film aus seiner Formel aus und bietet gerade im Mittelteil einen überraschenden Höhepunkt. Humorvoll und wie aus dem Nichts endet die intensive Verfolgungsjagd durch das Familienhaus der Evans, als Ghostface mit Vollgas von einem SUV überfahren wird. Gale Weathers (Courtney Cox) und die Geschwister Mindy und Chad (Jasmin Savoy Brown und Mason Gooding) sind zurück. Auch in Scream 7 geht es nicht ohne die Legacy Charaktere. Das Neve Campbell Zentrum des Geschehens sein würde, war bereits bekannt. Auch die Rückkehr der anderen Figuren stand im Vorfeld fest. Doch während der Film es schafft eine sinnvolle Geschichte rund um Campbells Figur Sidney zu bauen, bleiben die anderen Figuren auf der Strecke. Courtney Cox darf tun, was sie immer tut und bekommt sogar ihr langersehntes Interview mit Sidney. Die Geschwister Meeks-Martin sind lediglich ein trauriges Überbleibsel der „Core-Four“ und die einzige Verbindung zu den Vorgängern. Sie bilden die Brücke zum dritten Teil einer Trilogy, die keine mehr ist. Ansonsten bekommen sie im Film nichts zu tun, außer Scooby-Doo zu spielen.
Scream 7 ist ein eigenständiger Film geworden. New York kommt in Nebensätzen vor, und die Figuren von Jenna Ortega und Melissa Barrera werden mit keiner Silbe erwähnt. Eine traurige Entwicklung bei der man nur hoffen kann, dass sich die Wogen glätten und die beiden vielleicht doch noch ihren Abschlussfilm bekommen.
Ein Hauch von Williamson
Kaum ein anderer Autor schaffte es so gut Popkultur mit glaubhaften Teenagern zu verbinden. In Scream 7 bleiben die meisten Figuren leider auf der Strecke. Die Teenies dienen fast ausschließlich als Kanonenfutter, um den Bodycount in die Höhe zu treiben. Die Suche nach Charaktertiefe ist vergebens. Umso mehr schafft es der Film eine glaubhafte Beziehung zwischen Mutter und Tochter zu kreieren: Sidney, die seit Jahrzehnten in Angst lebt und ihre Vergangenheit verdrängen will. Tatum (benannt nach Sidneys bester Freundin), die im Schatten ihrer berühmten Mutter lebt und eigentlich nur ein normaler Teenager sein möchte. Man kann beide Figuren sehr gut nachvollziehen und bekommt immer wieder ein paar starke Szenen zwischen den beiden weiblichen Hauptfiguren. Familienvater Mark (McHale), welcher außerdem der Sheriff der Stadt ist, kann ebenfalls überzeugen. Er bekommt zwar nicht so viel Profil, wie die anderen Familienmitglieder und ist eher eine Stellvertretung für Dewey, trotzdem besitzt er eine sympathische Ausstrahlung und passt gut in den Film. Die Kleinstadt-Idylle und die intensive Mutter-Tochter Beziehung lösen leichte Gilmore Girls-Gefühle aus – nur, dass ein Killer in den Schatten lauert. Punktuell schimmern die Stärken von Williamsons Schreibkunst durch und zeigen das Potential des Films.
Ein schwaches Ende – in Blut getränkt
Wem die letzten Scream-Filme immer noch zu zahm waren oder wer Angst hatte, man würde in puncto Gewalt zurückrudern, darf sich erleichtert im Sessel zurücklehnen. Der Ghostface-Killer hat Blut geleckt und will bluten lassen. Die Eröffnung war nur ein leichter Vorgeschmack auf das, was einen erwarten wird. Den Maßstab der Gewalt setzt ein Mord im Theater, bei dem eine Figur an Seilen hängend zu ihrem eignen Pendel des Todes wird. Das Blut fließt tiefrot, und auch vor Eingeweiden wird kein Halt gemacht. Trotz einer Freigabe ab 16 Jahren wird hier wieder viel in Sachen Gewalt ausgereizt. Lediglich im Finale wirkt die Gewalt schon wie eine Parodie auf die eigene Reihe, wenn der finale Kopfschuss im Kugelhagel endet. Was sich alle Beteiligten beim Finale gedacht haben, bedarf einer ausführlichen Erklärung. Die Auflösung ist die mit Abstand schwächste der Reihe und auch das Motiv wirkt an den Haaren herbeigezogen. Nach sehenswerten zwei Dritteln zerbricht der Film im Finale fast gänzlich und lässt sogar die Auflösung des sechsten Films in ganz anderem Licht erscheinen. Hier wird kein Potential mehr verschenkt – hier wusste einfach niemand, wie man den Film zu Ende bringen sollte.
Fazit: Es ist Zeit für eine Pause
Trotz Kevin Williamson erreicht Scream 7 längst nicht das Niveau der ersten beiden Teile. Statt das Genre klug zu referenzieren, suhlt man sich im eigenen Ruhm. Interessante Ansätze, wie der Einsatz von KI bleiben nur Mittel zum Zweck und werden oberflächlich behandelt. Bekannte Figuren sorgen für ein heimisches Gefühl und insbesondere Sidney und ihrer Familie schaut man gerne zu. Langweilig wird es dafür selten. Blutige Kills und intensive Ghostface Szenen sorgen für Unterhaltung und Spannung. Letztlich wirkt die Veröffentlichung von Scream 7 etwas überhastet. Wie uns die Vergangenheit gelehrt hat, war Scream oft dann am stärksten, wenn die Pause am größten war.
Scream 7 läuft seit dem 26. Februar 2026 in den deutschen Kinos.
Noch nicht genug geschrien? Wer wissen möchte, wie die bisherigen Scream-Filme untereinander abgeschnitten haben, findet hier mein persönliches Scream-Ranking.
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