Kein Horrorfilm verstand es besser in den 90ern, sein Genre zu dekonstruieren, als Scream – Schrei. Seither gehört der Meta-Slasher zum festen Bestandteil unsrer Popkultur. Dieses Jahr feiert die Reihe ihr 30-jähriges Jubiläum. Passend dazu kommt am
26. Februar 2026 der offiziell siebte Teil in die deutschen Kinos. Ich habe mir die Reihe nochmal angesehen und jeden Teil genauer unter die Lupe genommen.
Hier kommt mein persönliches Ranking der bisherigen sechs Scream-Filme und ein kleiner Ausblick, was ich mir von Scream 7 erhoffe.
Platz 6: Scream (Scream, 2022)
Im Jahr 2015 verstarb der Schöpfer und bis dato einzige Regisseur der Reihe, Wes Craven, im Alter von 76 Jahren.
Es waren dementsprechend große Fußstapfen, in die das Regie-Duo Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett von Radio Silence trat.
Dass dieser Film auf dem letzten Platz landet, hat nichts mit der Qualität des Films zu tun. Insgesamt haben die Regisseure eine tolle Arbeit abgeliefert. Die neue Generation von Teenies ist grundsätzlich sympathisch und brachte mit Jenna Ortega und Mikey Madison ein paar Newcomer:innen hervor, die mittlerweile große Namen in Hollywood sind. Insgesamt fährt Scream (2022) aber eine Spur zu sicher. Die Regisseure versuchen, etwas zu dicht am Original zu sein, und verlieren sich zu oft in Zitaten und Fanservice. Leider kommen auch die originalen Darsteller:innen etwas zu kurz und wirken unorganisch in die Story integriert. Ich habe trotzdem immer wieder Spaß mit dem fünften Teil der Reihe, der uns außerdem das Wort „Requel“ brachte.
Platz 5: Scream 6 (Scream VI, 2023)
Ghostface takes Manhattan. Die Erwartungshaltungen der Fans stiegen ins Unermessliche, als Radio Silence – die erneut die Regie übernahmen – verkündeten, dass man die Geschehnisse nach New York verlegen wolle. Ein beliebter Schauplatz, der das Potenzial für viele Referenzen und neue Ideen bietet. Die vorab veröffentlichten Poster und der Teaser in der U-Bahn, voll mit Halloween-Kostümen bekannter Horror-Ikonen, verstärkten den Hype noch mehr.
Umso enttäuschender, dass nicht wirklich in New York, sondern in Toronto gedreht wurde. Der Szenenwechsel tut dem Franchise dennoch gut, selbst wenn nicht ganz das Flair von New York rüberkommt.
Ghostface agiert wesentlich asozialer, radikaler und scheut auch nicht davor zurück, mit einer Schrotflinte in einem Kiosk um sich zu schießen. Umso enttäuschender ist es, dass der Bodycount in diesem Teil äußerst gering ist. Die Regisseure trauen sich nicht von ihren Figuren zu trennen. Ein Problem, das mittlerweile viele Franchises betrifft.
Die Schwächen des Vorgängers werden leider auch in Scream VI fortgesetzt. Der Film verliert sich in Zitaten und Schwärmereien. Immer häufiger tappt er in die Fallen, die er selbst zu parodieren wusste. Nichtsdestotrotz mag ich diesen Teil sehr und kann ihm nicht so kritisch gegenübertreten wie viele andere. Ein bisschen mehr Konsequenz wäre in Zukunft aber wünschenswert.
Platz 4: Scream 2 (Scream 2, 1997)
Sind wir mal ehrlich: Das Opening von Scream 2 ist legendär und gehört zu den besten Openings der ganzen Serie. Ein Mord im Kino, während Hunderte Fans mit Ghostface-Masken ihre Plastikmesser schwingen und auf der Leinwand Stab von Robert Rodriguez gezeigt wird.
Die Idee, aus dem eigenen Film einen Meta-Film zu schaffen, ist mindestens so gut wie der erwähnte Einstieg. Das Drehbuch von Kevin Williamson versteht es erneut, den filmischen Zeitgeist aufzufangen und diesmal explizit auf die Eigenschaften von Sequels einzugehen. Ich bin ehrlich: Ich liebe den zweiten Teil der Reihe. Die Hauptfiguren rund um Sidney und Co. wachsen einem noch mehr ans Herz. Außerdem gibt es ein paar coole Gastauftritte angehender Teenie-Stars der 90er-Jahre.
Der Film besitzt nicht mehr ganz die Wucht seines Vorgängers, und irgendwie verblassen die Ereignisse bei mir immer recht schnell. An guten Tagen könnte dieser Teil aber genauso gut auf dem zweiten Platz dieses Rankings landen.
Platz 3: Scream 3 (Scream 3, 2000)
Dieser Teil besitzt einen besonderen Platz in meinem Herzen, selbst wenn Scream 3 objektiv betrachtet sicherlich nicht fehlerfrei ist. Dass nach Teil 3 für über zehn Jahre Schluss sein sollte, war eine folgerichtige Entscheidung. Die Formel wirkt auserzählt, und es wurde alles zitiert und parodiert, was das Genre damals zu bieten hatte.
Im zugegeben schwachen Opening lassen sich Abnutzungserscheinungen erkennen, und auch die Motivation des Killers wirkt etwas konstruiert. Trotzdem mag ich es sehr, dass man sich entschieden hat, den Film nach Hollywood zu verlegen. Mir gefallen die Doppelgänger der Hauptfiguren, die ebenfalls zur Zielscheibe werden. Außerdem mochte ich die vielen kleinen Cameo-Auftritte, wie z.B. der Auftritt von Jay & Silent Bob.
Sich für nur einen Killer zu entscheiden, war eine frische Idee, und die Produzentenvilla im Finale – mit ihren vielen Geheimgängen – ein gelungenes Setting. Meine persönliche Lieblingsszene ist der Besuch von Sidney in der Kulisse ihres eigenen Hauses. Ja, der Haarschnitt von Courtney Cox ist wild, und die Morde sind insgesamt blutleerer als in jedem anderen Teil. Darüber kann ich aber hinwegsehen und mich immer wieder sehr gut mit diesem Film amüsieren.
Platz 2: Scream 4 (Scre4m, 2011)
Fans mussten über ein Jahrzehnt warten, ehe die Scream-Reihe auf die Leinwand zurückkehrte. Die Horrorlandschaft hatte sich seit der Jahrtausendwende weiterentwickelt, und auch das digitale Zeitalter hatte große Sprünge gemacht. Waren Handys und das Internet in der originalen Trilogie noch eine Neuheit, sind Apps, Livestreams und Internet-Stardom der neue Zeitgeist.
Für mich fühlen sich die Themen, die im vierten Film behandelt werden, noch heute relevant an. Den Film im Kino sehen zu dürfen, war eine Offenbarung für mich und ist wahrscheinlich auch ein Grund, weshalb ich diesen Teil so mag.
Es sind aber auch die neuen (und alten) Figuren, die diesen Film auszeichnen. Mit Emma Roberts und Hayden Panettiere besaß der Film gleich zwei starke Final Girls. Kevin Williamson, der hier erneut für das Drehbuch verantwortlich war, verstand es, eine coole neue Generation zu schaffen. Inhaltlich gibt es Referenzen zum Original, aber der Film schafft es wesentlich besser, eine eigene Identität zu kreieren als z. B. Scream 5.
Zudem besitzt Scream 4 eine meiner liebsten Auflösungen. Sie war überraschend und ich fand die Motivation sehr stark. Dies war der letzte Film des Regisseurs Wes Craven. Ein würdiges Ende für einen der wichtigsten Regisseure des Horrorgenres.
Platz 1: Scream – Schrei! (Scream, 1996)
Wenig überraschend, aber vollkommen verdient: Das Original bleibt der beste Teil der Reihe und ist nach wie vor einer der besten Horrorfilme, die jemals geschaffen wurden.
Scream feiert dieses Jahr seinen mittlerweile dreißigsten Geburtstag. Was für ein Alter und welch eine Entwicklung, die das Genre seither durchlebt hat. Im Jahr 1966, dreißig Jahre bevor der erste Scream erschien, beherrschten Hammer-Horror und Monsterfilme die Kinos. Dies waren die Zeiten von Regisseuren wie Mario Bava und William Castle. Ihre Filme revolutionierten damals die Sehgewohnheiten.
Im Jahr 1996 war es die Zusammenarbeit von Kevin Williamson und Wes Craven, die den Slasher zu neuem Leben erweckte. Das Drehbuch war originell und überraschend – so etwas hatte man zuvor noch nicht gesehen. Durch den Erfolg wurde die Formel von Scream so populär, dass sie eine ganze Reihe von Filmen hervorbrachten. In Fankreisen wird sie als Post-Scream-Ära bezeichnet.
What’s your favorite scary movie? Vermutlich Scream. Die Symbiose aus blutigem Slasher, spannendem Krimi und gut geschriebenen Teenagern funktioniert jedes Mal aufs Neue. Popcorn-Horror, der kurzweilig und brutal ist, gleichzeitig aber auch humorvolle Szenen und Wortwitz – „You better liv´er alone“ – besitzt.
Von der berühmten Einstiegsszene mit Drew Barrymore bis hin zur Auflösung mit zwei Killern ist Scream – Schrei! ein zeitloser Klassiker.
Was erhoffe ich mir von Scream 7: Ein Ausblick
Ursprünglich mal als Trilogie angelegt, bleibt es spannend, wie Kevin Williamson in den neusten Teil einsteigen wird.
Das filmische Geschwisterpaar Melissa Barrera und Jenna Ortega ist aus verschiedenen Gründen nicht mehr dabei. Ebenso das Regie-Duo Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett. Hat man im Vorfeld die Geschehnisse hinter den Kulissen verfolgt, stand die Produktion unter keinem guten Stern.
Dass man Kevin Williamson als Regisseur und Autor verpflichtet hat, bringt Hoffnung, aber auch Risiken mit sich. Als Autor hat er sich bereits mehrfach bewiesen, doch liegen die Glanzzeiten des Kreativen auch schon mehrere Jahre zurück. Zuletzt machte Williamson mit dem Pandemie-Slasher Sick etwas auf sich aufmerksam. Mehr als durchschnittlich war der Film allerdings nicht. Scream 7 ist außerdem erst die zweite Regiearbeit des Drehbuchautors.
Die Rückkehr von Scream-Queen Neve Campbell, die das ikonische Final Girl Sidney Prescott verkörpert, ist ebenfalls sehr erfreulich. Warum man sich jetzt auf einmal auf eine vernünftige Gage einigen konnte – was im Vorgänger noch zum Ausstieg Campbells führte – wirft allerdings auch wieder einen Schatten auf die Produktion. Unabhängig von der turbulenten Vorgeschichte wusste Williamson bisher immer ein gutes Drehbuch für die Reihe zu schreiben.
Ich bin daher zuversichtlich, dass es gelingen wird eine gute Fortsetzung zu kreieren und einen sinnvollen Bogen zu den Vorgängern zu schlagen. Wenn die neuen Figuren funktionieren und die Reihe es schafft wieder etwas eigenständiger zu sein, steht dem Erfolg von Scream 7 nichts im Wege.


