Es ist wieder soweit: Die weltweit wichtigste und größte Filmpreisverleihung findet statt – die Oscars.
Die Veranstaltung geht mittlerweile in ihre 98. Runde und wird in der Nacht vom 15. auf den 16. März 2026 live im deutschen Free-TV übertragen. Sind bei den Oscars wirklich die besten Filme des Jahres vertreten, oder handelt es sich hier nur um ein politisches Statement?
In den nächsten zwei Artikeln stelle ich euch die zehn Filme vor, die um den Preis des besten Films kämpfen.
Welche Chancen ich den jeweiligen Filmen einräume und wie sie persönlich bei mir abschneiden, erfahrt ihr jetzt.
Bugonia (Bugonia; Regie: Yorgos Lanthimos)
Spätestens seit seinem Kostümdrama The Favourite ist Yorgos Lanthimos ein Stammgast bei der alljährlichen Oscarverleihung. Sein Film Poor Things wurde 2024 mehrfach nominiert, und Emma Stone durfte sich über ihren Oscar als beste Hauptdarstellerin freuen.
Dass Bugonia dieses Jahr vertreten ist, wirkt wie eine respektvolle Einladung alter Bekannter. Lanthimos’ Remake des südkoreanischen Films Save the Green Planet ist eine bizarre Satire auf Verschwörungstheorien. In der Post-Pandemie-Zeit und durch erneute Veröffentlichungen der Epstein-Files wirkt das Thema heute wieder aktueller.
Emma Stone ist erneut als beste Hauptdarstellerin nominiert, außerdem tritt der Film in den Kategorien bester Score und bestes adaptiertes Drehbuch an. Dass ein Film wie Bugonia bei einer Verleihung wie den Oscars Erwähnung findet, dürfte jeden Genre-Filmfan freuen. Große Chancen, in überhaupt einer der Kategorien zu gewinnen, bezweifle ich allerdings.
Oscarprognose: 0/4
Blood & Sinners (Sinners; Regie: Ryan Coogler)
Als im April 2025 der Vampir-Western Blood & Sinners in die Kinos kam, hätte wohl kaum jemand damit gerechnet, dass der Film einmal zum Rekordhalter für die meisten Oscar-Nominierungen werden würde. Ganze sechzehnmal wurde er nominiert.
Obwohl Blood & Sinners für mich persönlich der beste Film des Jahres 2025 war, hat mich diese Zahl dennoch überrascht. Man könnte sich fragen, ob der Erfolg von The Substance im Vorjahr dazu beigetragen hat, dass in diesem Jahr gleich drei Filme aus dem Horror-Genre als „Bester Film“ nominiert wurden. Oder steckt vielleicht auch ein politisches Signal dahinter, das afroamerikanisches Kino stärker würdigen soll?
Was die genauen Gründe sind, lässt sich schwer sagen. In jedem Fall freut es mich, dass ein Film wie Blood & Sinners auch bei den Oscars Aufmerksamkeit bekommt. Selbst wenn eine Oscar-Nominierung nicht automatisch ein Qualitätsmerkmal ist. Bei so vielen Nominierungen kann aus dem Favoriten schließlich auch schnell der große Verlierer werden. Persönlich halte ich einen Oscar für die beste Filmmusik und das beste Originaldrehbuch für realistisch. Gute Chancen sehe ich außerdem in den Kategorien beste Kamera, bestes Szenenbild und bester Ton.
Oscarprognose: 3/16
F1 (F1; Regie: Joseph Kosinski)
Im Jahr 2022 wurde Kosinskis Top Gun: Maverick zum Überraschungshit an den Kinokassen und wurde dementsprechend bei den Oscars 2023 mehrfach nominiert.
Dieses Jahr wirkt es wie eine Wiederholung der Ereignisse, denn F1 besitzt ähnliche Qualitäten wie das Fliegerdrama mit Tom Cruise. Mich freut die Nominierung, denn schließlich war der Film auch in meinen Top-Filmen 2025 vertreten.
Mal abgesehen vom reinen Spaß sind es vor allem die technischen Aspekte, die F1 auszeichnen und einen damals in den Kinosessel gedrückt haben. Neben der Nominierung zum besten Film darf F1 auf einen Oscar für den besten Ton, den besten Filmschnitt und die besten visuellen Effekte hoffen. Für den besten Film wird es vermutlich nicht reichen, aber vielleicht für den besten Sound.
Oscarprognose: 0/4
Frankenstein (Frankenstein; Regie: Guillermo del Toro)
Der mexikanische Regisseur Guillermo del Toro liebt seine Monster und Kreaturen. Mit Frankenstein verfilmt er endlich ein lang ersehntes Herzensprojekt.
Dabei trifft der Oscargewinner von 2018 Entscheidungen, die sowohl für als auch gegen seine Art sprechen, Filme zu inszenieren. Frankenstein reiht sich visuell in die Reihe seiner letzten Filme ein: tolle Kostüme, detaillierte Ausstattung und ein Look, der zwar hochwertig, aber etwas zu poliert wirkt. Die ausufernde Erzählweise und lange Laufzeit drücken dem Monsterklassiker allerdings erneut den Stempel eines „Edel-Langweilers“ auf.
Gerade auf technischem Niveau dürfte sich der Film also große Hoffnungen machen. Insgesamt wurde Frankenstein neunmal nominiert – darunter für die beste Kamera, die besten Kostüme und Bestes Make-up & Hairstyling. Alles Kategorien, in denen ein Sieg nicht abwegig ist. Mit Alexandre Desplat tritt außerdem ein Oscar-Veteran in der Filmmusik an, auch wenn ich persönlich in diesem Jahr andere Favoriten habe.
Sein romantischer Monsterfilm The Shape of Water gewann 2018 den Oscar als bester Film und brachte del Toro außerdem die Trophäe für die beste Regie ein. Für diese ist er diesmal nicht nominiert, dafür für das beste adaptierte Drehbuch. Ich freue mich immer, wenn Grusel und Horror auf positive Resonanz stoßen. Für den besten Film wird es wahrscheinlich aber nicht reichen.
Oscarprognose: 2/9
Hamnet (Hamnet; Regie: Chloé Zhao)
Vor fünf Jahren war die Regisseurin Chloé Zhao die große Siegerin der damaligen Oscars. Ihr Film Nomadland gewann nicht nur den Preis für den besten Film – Zhao wurde außerdem zur ersten Woman of Color und zur zweiten Frau überhaupt, die einen Oscar in der Kategorie Beste Regie gewann. Wird ihr dieser Coup ein weiteres Mal gelingen?
Ich denke nicht. Ihr semifiktionales Kostümdrama, das die Hintergrundgeschichte rund um das Bühnenstück Hamlet erzählt, ist ein visuell wunderschöner Film geworden, der im Vergleich zur Konkurrenz allerdings etwas schwächelt.
Mit insgesamt acht Nominierungen gehört Hamnet trotzdem zu den „Big Playern“. Neben den Kategorien Bester Film und Beste Regie geht der Film für die beste Hauptdarstellerin (Jessie Buckley), das beste adaptierte Drehbuch, den besten Score, das beste Casting, das beste Szenenbild und das beste Kostümdesign ins Rennen. Ich denke, Jessie Buckley wird sich den Oscar als beste Hauptdarstellerin holen. An ihre Rolle wird man sich definitiv erinnern, wenn man an Hamnet denkt. Die Entdeckung von Jacobi Jupe als junger Hamnet dürfte allerdings auch die Chancen auf den Oscar für das beste Casting erhöhen.
Oscarprognose: 1/9
Wenn euch der erste Teil meiner kleinen Oscar-Retrospektive gefallen hat, schaut doch gerne auch im zweiten Teil vorbei.


