Frankensteins Braut war 1935 kaum mehr als eine Randfigur ihres eigenen Films. In The Bride! – Es lebe die Braut rückt sie in den Vordergrund und soll zur Galionsfigur einer weiblichen Rebellion werden. Angetrieben von der Frage, was wohl hinter der ikonischen Figur steckt, liefert Maggie Gyllenhaal eine Neuinterpretation des Filmklassikers.
Nach Frau im Dunkeln ist es die zweite Regiearbeit der Schauspielerin, die erneut mit Jessie Buckley zusammenarbeitet. Mit Jake Gyllenhaal und Christian Bale sind sowohl ein Familienmitglied als auch ein alter Bekannter mit an Bord.
Ob die Neuauflage des Horrorklassikers gelungen ist, erfahrt ihr jetzt in meiner Filmkritik.
Worum geht es in The Bride! – Es lebe die Braut?
Frankensteins Monster, genannt Frank (Christian Bale), sucht die Wissenschaftlerin und Ärztin Dr. Euphronius (Annette Bening) auf. Sie soll dem einsamen Monster helfen, eine Partnerin zu kreieren. Nach hundert Jahren der Einsamkeit hat es Frank satt, allein zu sein.
Bei Nacht und Nebel schaufeln die beiden die Leiche der unglücklich verstorbenen Ida (Jessie Buckley) aus. Eine zügellose Escort-Dame, die kurz vor ihrem Ableben vom Geiste Mary Shelleys (ebenfalls Jessie Buckley) heimgesucht wurde.
Dr. Euphronius ruft Ida zurück ins Leben. Kurz darauf landen Frank und seine Braut in einem schmierigen Underground-Club. Als es dort zu einer tödlichen Konfrontation kommt, beginnt die Monsterjagd quer durch das Amerika der dreißiger Jahre.
Ein feministischer Aufschrei
Nachdem man The Bride! gesehen hat, wird klar, dass Maggie Gyllenhaal etwas zu erzählen hat. Sie möchte die Rolle der Frau stärken und klarstellen, dass diese keinesfalls nur die zweite Geige in unserer patriarchalen Gesellschaft spielt.
Zu Beginn präsentiert ein Monolog der Autorin Mary Shelley, dass sie noch viel mehr zu erzählen habe. Eine kleine Parallele zum Film von 1935. Schon dort bemängelte Elsa Lanchester – die Mary Shelley als auch die Braut verkörperte –, dass die Geschichte um Dr. Frankenstein und sein Monster nicht abgeschlossen sei.
Dass die Braut am Ende kaum eine Rolle in ihrem eigenen Film spielt, kann bereits als Beispiel der damaligen Rollenverteilung interpretiert werden. Frau Gyllenhaal bemüht sich, dass dies in ihrem Film nicht passiert. Sie emanzipiert nicht nur ihre Hauptfigur im Titel – aus Bride of Frankenstein wird schlicht The Bride! –, sie degradiert außerdem die männlichen Figuren im Film auf das Wesentliche. Abgesehen von Frank sind sie alle Feiglinge oder Vergewaltiger und besitzen keinen Respekt vor dem weiblichen Geschlecht. Mit der Rolle von Penélope Cruz gesellet sich eine Figur dazu, die bildlich für die unterdrückten Frauen steht. Sie ist ein Teil des Ermittlerduos, das die flüchtigen Monster einfangen soll. Ihr Partner, gespielt von Peter Sarsgaard, verkörpert dabei einen Detektiv, der seinen Ruf eigentlich nur seiner talentierten Sekretärin (Cruz) zu verdanken hat. Trotz ihres Talents hat diese damit zu kämpfen, in der männerdominierten Welt überhaupt zu Wort zu kommen.
Ein roter Faden ist im Film klar zu erkennen. Lautstark hämmert Maggie Gyllenhaal ihre Botschaft in die Köpfe der Zuschauer:innen. Problematisch wird es allerdings dann, wenn man außerdem versucht, den weiteren Ideen zu folgen.
Ein Flickenteppich der Ideen
Statt eines klassischen Remakes hat sich Maggie Gyllenhaal für ihren eigenen Weg entschieden. Anstelle von expressionistischen Bildern – wie sie das Original besaß – bedient sich die Regisseurin bei Gangsterfilmen und Roadmovies. The Bride! ist ihre Version von Bonnie & Clyde – Natural Born Killers mit Monstern.
Es gibt viele Einflüsse und Anspielungen im Film – zu viele für eine zweistündige Laufzeit. Viele Ideen werden nicht richtig ausformuliert, und Handlungsstränge werden nicht vernünftig auserzählt. Ansätze einer Frauenrebellion, erinnern an The Joker – eine Idee, die kurz aufgegriffen und schnell wieder fallen gelassen wird. Der Handlungsstrang, der die Mafia-Szene der dreißiger Jahre beleuchtet, spielt eine wichtige Rolle für den Hintergrund der Braut. Jedoch wird dieser zu wenig ausgebaut und trägt eher dazu bei, dass sich die Geschichte unbeholfen fortbewegt. Wären die bisherigen Themen nicht schon Inhalt genug, baut die Regisseurin zusätzlich noch eine Liebeserklärung an das Kino der Dreißiger ein. Frank liebt Filme – insbesondere, wenn Superstar Ronnie Reed (Jake Gyllenhaal) in der Hauptrolle zu sehen ist. Diese Leidenschaft dient einerseits als Route für das durchgebrannte Monsterpaar und ist gleichzeitig eine Rechtfertigung für die musicaleske Inszenierung in manchen Szenen. The Bride! ist aber kein Musical geworden – so wie im Vorfeld von vielen befürchtet. Die große Tanzsequenz im Mittelteil gehört allerdings zu den Highlights des Films.
Grell, wild – und eine elektrisierende Jessie Buckley
Während The Bride! auf erzählerischer Ebene etwas unausgewogen wirkt, liegen die Stärken des Films insbesondere in den Bildern und Kostümen. Das Amerika der dreißiger Jahre wird authentisch und atmosphärisch eingefangen. Einzig der Club, in den Frank und die Braut zu Beginn des Films gehen, sticht etwas aus dem Gesamtbild heraus. Hier wird man in eine düstere Parallelwelt entführt – ein Ort, an dem selbst Frank nicht auffällt. Ein klassischer Samstag im Berliner Berghain. Neben den eindrucksvollen Settings verleihen die Kostüme und das Make-up dem Film seinen eigenständigen Look. Besonders der orangefarbene Overall von Jessie Buckley und ihr verschmierter Lippenstift aus Tinte wirken jetzt schon ikonisch.
Man kann über The Bride! nicht sprechen, ohne die Leistung von Jessie Buckley hervorzuheben. Obwohl Christian Bale mindestens so viel Screentime hat wie sein weibliches Pendant, ist es Buckley, die ihm die Show stiehlt. Bale spielt routiniert, Buckley geht an die Grenzen der Übertreibung. Ihre Ausbrüche – in denen sie mit einem lyrischen Wortschwall um sich wirft – untermauern die zwei Gesichter ihrer Figur. Stets bleibt ungewiss, ob gerade der Geist Mary Shelleys aus ihr spricht oder schlicht Wahnsinn. Buckley springt zwischen herzloser Killerin und schuldgeplagter Frau hin und her und reißt jede Szene an sich.
Die krampfhaft intellektuellen Versuche, klassische Literatur in die Dialoge zu verbauen, seien damit verziehen. Jessie Buckley elektrisiert. Enttäuschend bleibt jedoch, dass die Leistungen des gesamten Casts zwar überzeugen, emotional aber wenig Eindruck hinterlassen. Auch dies lässt sich gut an Buckleys Leistung festmachen: Während ihre Rolle der gebrochenen Mutter in Hamnet Tränen in die Augen trieb, bleibt die Figur in The Bride! distanziert.
Fazit: Ein überladenes Spektakel ohne Ziel
Für wen wurde The Bride! gemacht? Horrorfans? Ein Publikum, das eine feministische Stimme sucht? Oder ist dies der Versuch, ein junges Publikum an alte Stoffe heranzuführen?
Die Ambitionen der Regisseurin sind deutlich erkennbar. Doch die konfuse Inszenierung und eine überladene Erzählung nehmen ihnen viel von ihrer Wirkung. Zu viele Ideen führen zu einer unnötig langen Laufzeit – am Ende verwässert die gut gemeinte Botschaft.
Letztendlich ist The Bride! – Es lebe die Braut ein unausgewogenes Spektakel geworden – sehenswert vor allem wegen Jessie Buckley.
The Bride! – Es lebe die Braut läuft seit dem 05. März 2026 in den deutschen Kinos.


