Der Name Peter Hyams dürfte mittlerweile etwas in Vergessenheit geraten sein – nicht zuletzt, weil der Regisseur seit 2013 keinen Film mehr gedreht hat.
Bekannt wurde er durch diverse Zusammenarbeiten mit Action-Legende Jean-Claude Van Damme (u.a. Timecop) sowie durch Science-Fiction-Filme wie Capricorn One, 2010 – Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen und Outland – Planet der Verdammten. Doch die Karriere des Action-Regisseurs begann mit einem Film, der viel zu lange unerwähnt geblieben ist – nämlich Busting, bzw. Spur der Gewalt, wie er hierzulande veröffentlicht wurde.
Worum geht es in Spur der Gewalt?
Michael Keneely (Elliott Gould) und Patrick Farrel (Robert Blake) sind Polizisten bei der Sitte (Vice Squad).
Während diverser Razzien und verdeckter Ermittlungen im Bereich der Zuhälterei geraten die beiden an den Gangsterboss Carl Rizzo (Allen Garfield), der ihnen das Leben schwer macht. Dieser kontrolliert nicht nur das Rotlichtmilieu und verschiedene Drogenringe, sondern hat auch die obersten Köpfe der Los-Angeles-Polizei in der Hand – eine Position, die ihn nahezu unantastbar macht.
Ein New-Hollywood-Film aus der zweiten Reihe
Denkt man an die Ära des New Hollywoods zurück, kommen viele große Klassiker in den Sinn: Chinatown (1974) von Roman Polanski, The French Connection (1971) von William Friedkin oder Robert Altmans Der Tod kennt keine Wiederkehr (1973). Letzterer ebenfalls mit Elliott Gould.
Diese Filme sind allesamt Klassiker des 70er-Jahre-Kinos und Wegbereiter für moderne Cop-Thriller und Neo-Noir-Filme. Doch auch in Spur der Gewalt steckt ein verkannter kleiner Klassiker, der seine Spuren bis ins heutige Kino hinterlassen hat.
Wie viele Regisseure kam der damals dreißigjährige Peter Hyams vom Fernsehen. Davor hatte er nur bei TV-Produktionen Regie geführt und erste Erfahrungen im Dokumentarbereich gesammelt. Mit Busting bekam der junge Filmemacher die Möglichkeit, seinen ersten Spielfilm – für den er auch das Drehbuch schrieb – auf die große Leinwand zu bringen.
Ganz dem pessimistischen Zeitgeist der amerikanischen 70er folgt man in Spur der Gewalt zwei Ermittlern, die grundsätzlich auf der richtigen Seite des Gesetzes stehen. Selbst wenn ihre Methoden nicht immer ganz lehrbuchkonform sind.
Der Ansatz des Regisseurs erinnert in Teilen an The French Connection. Dieser Film war – durch Friedkins dokumentarische Wurzeln – roh und realistisch inszeniert. Auch dort muss ein Polizei-Duo erkennen, dass organisiertes Verbrechen nicht immer zu besiegen ist.
Hyams hatte sich im Vorfeld intensiv mit dem Thema Prostitution und Zuhälterei beschäftigt. Viele Anekdoten aus dieser Recherche fanden Einzug in den Film. Das verstärkt die dokumentarisch wirkende Inszenierung. Lediglich der Erzählfluss leidet unter der sprunghaften Narrative: Man wird teils unsanft von Szene zu Szene geworfen, bis sich die Geschichte rund um Gangsterboss Rizzo allmählich entfaltet.
Starke Chemie, holprige Erzählung
Was erzählerisch etwas kantig wirkt, wird von den beiden Hauptdarstellern aufgefangen.
Die Figur des Michael Keneely gehört – neben Goulds Darstellung von Philip Marlowe in Der Tod kennt keine Wiederkehr und Charlie Waters in California Split (beide von Robert Altman) – zur Blaupause dessen, was Elliott Gould als Schauspieler ausmacht: trockener Humor, sarkastische Sprüche und eine gewisse Unsympathie, die trotzdem Charisma ausstrahlt.
Robert Blake (Lost Highway) ergänzt das Duo als Patrick Farrel perfekt. Auch er ist um kein Wort verlegen, und die Chemie zwischen beiden stimmt. Schade, dass Blake selbst kein Freund seiner Rolle war. Ein Sequel wäre wünschenswert gewesen.
Spur der Gewalt lebt klar von seinen Hauptdarstellern, doch auch Antagonist Rizzo (Allen Garfield) bleibt im Gedächtnis. Seine selbstsichere, leicht schmierige Art macht ihn zu einem Gegenspieler, dem man gerne zusieht.
Ein Produkt seiner Zeit?
Damals wie heute muss der Film sich die Kritik gefallen lassen, dass er an einigen Stellen eine gewisse Homophobie erkennen lässt. Das wird vor allem in den Szenen deutlich, in denen die Ermittler undercover in einem Schwulenclub unterwegs sind. Ebenso in einer Gerichtsszene, in der zwei Dragqueens zum Gespött der Anwesenden gemacht werden.
Was schon damals für Unmut sorgte, wirkt heute noch fragwürdiger. Auch der latent vorhandene Rassismus lässt sich moralisch nicht rechtfertigen. Hier muss jeder selbst entscheiden, wie tolerant er gegenüber einem „Produkt seiner Zeit“ sein möchte.
Die Blaupause des Buddy-Cop-Movies
Obwohl Die Superschnüffler (Freebie and the Bean, ebenfalls 1974) häufiger als Blaupause für den klassischen Buddy-Cop-Film genannt wird, darf Spur der Gewalt nicht unerwähnt bleiben.
Auch hier finden sich viele Strukturen, die später typisch für das Genre wurden. Zwar zanken sich die beiden Protagonisten weniger als gewohnt, funktionieren aber als eingespieltes Team. Humor und Dialogwitz erinnern teils schon an Shane Black, der mit Lethal Weapon, Last Boy Scout und The Nice Guys einige herausragende Vertreter des Subgenres lieferte.
Auch die Kultserie Starsky & Hutch (1975–1979) verdankt Spur der Gewalt einiges – sie ließ sich deutlich von Hyams’ Film inspirieren. Ein nettes Detail: Antonio Fargas, der in der Serie „Huggy Bear“ spielt, hat in Spur der Gewalt einen kleinen Auftritt.
Spur der Gewalt – Größer als sein Ruf
Spur der Gewalt besitzt die zynische Weltsicht des 70er-Jahre-Kinos und den Wortwitz eines Shane Black. Man könnte sagen: Der Film war einfach zur falschen Zeit am falschen Ort.
Bei seiner Veröffentlichung blieb der Erfolg aus – zu Unrecht. Inhaltlich wie stilistisch war er seiner Zeit voraus und kann als Vorreiter des modernen Action-Kinos gelten.
Aufgrund seiner langen Abstinenz im Heimkino blieb er jedoch weitgehend vergessen.
Wer The French Connection liebt, das Kino von Shane Black schätzt oder einen unterschätzten Vertreter der New-Hollywood-Ära entdecken möchte, dem sei Spur der Gewalt wärmstens empfohlen.
Spur der Gewalt ist seit dem 25. September 2025 auf dem deutschen Markt erstmalig auf DVD & Blu Ray verfügbar und wird über Plaion Pictures in Zusammenarbeit mit explosive media vertrieben. Die deutsche Blu Ray verfügt über den englischen Originalton, die deutsche Synchro mit optionalen deutschen und englischen Untertiteln. Bonusmaterial ist leider nicht enthalten.


