Primate

Primate (2026)

Affenstark oder doch eher voll Banane?

Vier Jahre nach Resident Evil: Welcome to Raccoon City meldet sich Horror-Regisseur Johannes Roberts zurück. Nachdem die Videospieladaption eher mäßig ankam und weder Fans der Spielereihe noch Kritiker so richtig abholen konnte, widmet sich der Regisseur jetzt wieder eigenen Projekten. Zwar wurden diese in der Vergangenheit oftmals gemischt aufgenommen, trotzdem lassen sich Leidenschaft und ein gutes Verständnis für das Genre erkennen.
Ob Primate gelungen ist oder doch nur lauwarmer Bananenbrei, erfahrt ihr in der folgenden Kritik.

Worum geht es in Primate?

Die Studentin Lucy (Johnny Sequyah) kehrt vom College zurück in ihre Heimat Hawaii. Mit ihren Freundinnen im Schlepptau, trifft sie daheim auf ihre Schwester Erin (Gia Hunter), ihren gehörlosen Vater Adam (Troy Kotsur) und Ben (Miguel Hernando Torres Umba).
Das Besondere an Ben: Er ist ein Schimpanse, den Lucys verstorbene Mutter einst adoptiert und aufgezogen hat. Seither ist der überdurchschnittlich intelligente Affe sowohl Haustier als auch integriertes Familienmitglied.
Als ein Mungo den liebenswerten Schimpansen mit Tollwut infiziert, geraten die Ereignisse außer Kontrolle. Denn Ben entwickelt enorme Aggressionen und kann nicht mehr zwischen Freund und Feind unterscheiden.

Zurück zu den Wurzeln

Klammert man den Ausflug von Roberts in die Welt der Videospiele aus, lässt sich in seiner Filmografie ein Muster erkennen. Mit seinem Horrorfilm 47 Meters Down hat er bereits erste Erfahrungen im Bereich Tierhorror gesammelt. In dessen Sequel, 47 Meters Down: Uncaged, kreuzt er Tierhorror mit einem Teenie-Slasher. Gerade der erste Teil der beiden Hai-Horrorfilme konnte mit klaustrophobischer Grundstimmung, solide getricksten Hai-Effekten und einem überraschenden Ende punkten. Die Fortsetzung hingegen scheiterte weitgehend an ihren Figuren und einem Drehbuch mit wenig Raffinesse.
Daher stellt sich die Frage, ob die Kombination aus einem tödlichen Primaten und Slasher diesmal besser funktioniert.

Das Vorbild Stephen King und ein Hauch von Carpenter

Denkt man über die Ausgangssituation in Primate etwas intensiver nach, dürfte Filmkenner:innen schnell stutzig werden. Ein beliebtes, eigentlich harmloses Haustier bekommt Tollwut und flippt aus. Das kommt doch irgendwie bekannt vor, oder?
Die Parallelen zu Stephen Kings Cujo – der einst liebe Bernhardiner, der zur tollwütigen Bestie wird – liegen klar auf der Hand. Aus der verängstigten Mutter, die mit ihrem Sohn in einem Auto eingesperrt ist, wird hier eine Gruppe anstrengender Teenies, die Schutz in einem Swimmingpool suchen. Johannes Roberts ist leidenschaftlicher Stephen-King-Fan und macht kein Geheimnis daraus, dass die Inspiration für Primate von dessen Roman kam. Er geht sogar so weit, dass er Ben zusätzlich einen persönlichen „Here’s Johnny“-Moment schenkt, als dieser die Tür eines Kleiderschranks zertrümmert, in dem sich einige Figuren versteckt haben.
Während sowohl Kings Buch als auch dessen Verfilmung ein wirklich beklemmendes Gefühl auslösen, ist die Situation bei Primate eher Mittel zum Zweck und besitzt nicht annähernd dieselbe Intensität. Vielmehr erinnert die Pool-Belagerung an eine Runde Marco Polo beziehungsweise Fangen. Kurz aus dem Pool gewagt und schnell wieder rein, ganz nach dem Motto: „Ätsch, im Pool darfst du mich nicht fangen.“
Ganz ohne Spannung bleiben die Fluchtversuche am Ende aber nicht, und ein Gefühl der Bedrohung erzeugt der Schimpanse Ben ebenfalls. Allerdings ist es weniger die Situation selbst als vielmehr der Carpenter-eske Score von Adrian Johnston, der punktuell Unruhe vermittelt und eine der großen Stärken des Films darstellt. Insbesondere dann, wenn etwa in einer Szene eines der Mädchen wehrlos auf der Treppe liegt, sich der Affe in voller Größe über ihr aufbaut und der stakkatoartige Sound einsetzt.

Grausige Figurenzeichnung – Stilmittel oder Drehbuchschwäche?

Viele Szenen in Primate würden sicherlich einen größeren Effekt erzielen, wenn man sich nur etwas mehr für die Figuren interessieren würde. Denn ist es im Jahr 2026 immer noch vertretbar, einen Teenie-Slasher wegen seiner charakterlosen Figuren in Schutz zu nehmen?
Es ist schon ein echtes Armutszeugnis, wenn die Figuren nicht nur flach und eindimensional geschrieben sind, sondern scheinbar bewusst nervig und anstrengend angelegt wurden. Die Krönung des Ensembles der Unsympathen bilden dabei zwei Flugzeugbekanntschaften der Mädchengruppe, die besoffen und zugedröhnt als Kavallerie eintreffen – nur um kurzerhand von Ben erledigt zu werden. Ein Verlust, der mehr einer Wohltat gleichkommt.
Unvermeidlich kommt die Frage auf, ob es nicht die Intention des Regisseurs war, dass man mit Ben mitfiebern soll. Der Silberstreif am Horizont in Primate ist Familienvater Adam. Oscarpreisträger Troy Kotsur ist nicht nur das bekannteste Gesicht im Film, sondern besitzt in seinen Szenen eine äußerst sympathische Ausstrahlung. Seine Leistung bringt Qualität in den Cast . Die Szene im Finale, in der die Geschehnisse aus seiner tonlosen Perspektive geschildert werden, gehört zu den Highlights des Films.
Für die Gestaltung des bösartigen Gegenspielers Ben verzichtete Regisseur Johannes Roberts größtenteils auf digitale Effekte. Stattdessen steckte er einen echten Darsteller in ein Affenkostüm. Eine Entscheidung, die qualitativ gemischte Ergebnisse liefert. Visuell kauft man Ben den Schimpansen ab, doch in Inszenierung und Mimik schimmert immer wieder der Mensch im Kostüm durch. Ben wirkt teils animalisch und unkontrolliert, agiert dann aber stellenweise zu kalkuliert.

Ein Mann seines Fachs: Kurz, knapp und blutig

Dass Johannes Roberts mittlerweile Erfahrung im Slasher-Genre gesammelt hat, merkt man auch in Primate. So dünn das Drehbuch des Films auch sein mag, für einen konventionellen Slasher wurde Primate ordentlich inszeniert. Es wird keine unnötige Zeit in Nebenplots investiert, stattdessen geht es direkt ans Eingemachte. Dadurch ist das Spektakel nach weniger als neunzig Minuten vorbei und bietet kurzweilige Unterhaltung.
Während dieser Laufzeit muss man zwar wieder einige fragwürdige Entscheidungen der Figuren schlucken, die ein paar Mal zu oft tollpatschig auf eine Fernbedienung treten oder lautstark eine Kiste umhauen. Belohnt wird der Zuschauer jedoch, wenn Ben alles andere als zimperlich zuschlägt. Keine fünf Minuten vergehen, bis die erste Kopfhaut vom Schädel gezogen wird. Fans praktischer Effekte kommen mehrfach auf ihre Kosten, und erneut wundert man sich, dass solch explizite Gewalt mittlerweile eine Freigabe ab 16 Jahren erhält.
Seine Kurzweiligkeit, die harten Effekten und mit der kleinen Verbeugungen vor John Carpenter bringt Roberts den Spirit des 80er-Slasher-Kinos in seinen Film.

Fazit: Primitiver Slasher mit Luft nach oben

Primate lässt einen mit gemischten Gefühlen zurück. Der tollwütige Schimpanse und der Score machen Spaß. Der Film ist kurzweilig und besitzt eine spürbare Liebe für das Slasher-Genre. Emotional bleibt wenig hängen, da insbesondere die anstrengenden Figuren und das dünne Script wenig Substanz liefern. Die Rückkehr von Johannes Roberts zum Tierhorror ist blutig, aber mit wenig Möglichkeiten zum mitfiebern. 

Sollte dennoch jemand auf den Geschmack bösartiger Primaten gekommen sein, schaut gern in meinen Artikel über fiese Affen vorbei. Hier gebe ich ein paar Empfehlungen aus der Welt des Affen-Horrors zum Besten.

Primate läuft seit dem 29. Januar 2026 in den deutschen Kino.

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