
Hallo Freunde der gepflegten Sammelleidenschaft,
all jene, die es zufällig in die bunte Stadt New York verschlägt und die ebenso Sammler*innen von Filmen, Büchern und Schallplatten sind, möchte ich ein paar Empfehlungen und Geheimtipps mitgeben. Vor meiner Reise habe ich mich informiert, welche Buch- und Filmläden popkulturell relevant sind. Dabei bin ich über einige Läden gestolpert, die letzten Endes maximal mittelmäßig oder allgemein schon bekannt sind. Daher möchte ich euch vier Läden ans Herz legen, die nicht nur ein schönes Sortiment besitzen, sondern generell einen Besuch wert sind.
1. Forbidden Planet – Ein kleines Mekka für Comic Nerds


Die wahrscheinlich konventionellste Empfehlung aus dieser Liste ist Forbidden Planet: Ein kleines Comicbuch-Mekka für jeden Sammler und jede Sammlerin von Comics, Actionfiguren und sonstigem popkulturellen Schnickschnack. Der Store liegt im Herzen von Manhattan zwischen Greenwich Village und dem East Village, etwa 5–10 Minuten von der Station Union Square entfernt.
Hinter einer Eingangstür, die man fast übersehen könnte, versteckt sich eine große und geräumige Ladenfläche. Diese ist voll, aber dennoch übersichtlich mit Graphic Novels, T-Shirts und Zubehör für Trading-Card-Games bestückt. Zugegeben, die großen Titel findet man auch in gut ausgestatteten Comicläden in Deutschland wieder. Doch insbesondere die kleine Filmecke und die Regale mit seltenen Comicausgaben waren ein echtes Highlight. Von alten Spider-Man-Heften, die ca. 300–500 Dollar kosten, VHS-Kassetten fast vergessener 80s-B-Movies und Actionfiguren, gab es eine Menge zu entdecken. Die Filmecke hätte größer sein können, bestand aber aus einer brauchbaren Auswahl von Boutique-Labels wie Arrow Video, Vinegar Syndrome und vielen mehr. Meist handelte es sich um Secondhand-Produkte, die jedoch auf den ersten Blick in gutem Zustand waren und zu fairen Preisen angeboten wurden. An der Kasse gab es außerdem eine Auswahl an OVP-Titeln und Boxsets jüngerer Veröffentlichungen.
Das Personal im Forbidden Planet war bei meinem Besuch sehr aufmerksam und hilfsbereit und unterstützte mich bei der Suche nach meinen gewünschten Titeln. Insgesamt ein sehr schöner Store, der definitiv einen Besuch wert ist, wenn man sich ohnehin in dieser Ecke von New York aufhält.
Hinweis: Bei Filmkäufen in den USA sollte man allerdings den Region Code beachten, nur 4K-Discs sind Region free. Die meisten Blu-rays sind auf Region A beschränkt und somit nicht mit europäischen Region-B-Playern kompatibel. Manche Disc´s im Laden waren allerdings Code Free (Region 0 bzw. ABC).
2. The Mysterious Bookshop – Eine kriminell gute Bücherauswahl


Weiter geht es in den südlichen Teil Manhattans, nach Tribeca. Dort befindet sich der charmante Buchladen The Mysterious Bookshop. Wer gerne Krimis, Thriller und Murder Mysteries liest oder eine Auswahl an True-Crime-Lektüre sucht, wird hier mehr als fündig.
Der Laden mag auf den ersten Blick klein wirken, doch die deckenhohen Regale sind vollgestopft mit Büchern. Man benötigt sogar eine Leiter, um an die oberen Exemplare zu gelangen. Anfangs war es etwas kompliziert sich einen Überblick zu verschaffen, aber es ist definitiv für jeden Lesegeschmack etwas dabei. Es gibt eine große Auswahl an Agatha-Christie-Romanen, einen Regalabschnitt mit Sherlock-Holmes-Lektüren, ein Regal voll skandinavischer Thriller, etwas Stephen King und eine Theke mit Fachliteratur und True Crime. Mittig im Laden gibt es eine gemütliche Couchecke, die zum Lesen einlädt, sowie eine gute Auswahl an gebrauchten Büchern und günstigen Groschenromanen. Da es sich um einen amerikanischen Buchladen handelt, sind alle Bücher selbstverständlich auf Englisch. Viele Bücher wurden allerdings bereits ins deutsche Übersetzt.
Ein paar Titel, die ich persönlich spannend fand und die bereits eine deutsche Übersetzung besitzen: Helter Skelter – Der Mordrausch eines Serienkillers, The Corporation: Der Aufstieg und Fall der kubanischen Mafia und Tokyo Vice – Eine gefährliche Reise durch die japanische Unterwelt.
Selbst wenn man nicht vorhat einen englischen Roman zu kaufen, lohnt sich der Besuch. Allein die Fassade und die Einrichtung des Mysterious Bookshop sind schon einen Blick wert.
3. Night Owl Video – Eine Reise zurück in die Videothekenkultur


Weiter geht es nach Brooklyn, in den Stadtteil Williamsburg. Dieses mittlerweile stark gentrifizierte Viertel besitzt einen Charme, wie man ihn aus Szenevierteln von Hamburg oder Berlin kennt: Viele individuelle Bars, Lokale und kleine Boutiquen. Eine davon ist Night Owl Video, ein Laden, der erst im April dieses Jahres eröffnet hat und ein wahrer Geheimtipp für Filmesammler ist.
Man stelle sich die Atmosphäre einer kleinen Videothek aus den 90ern vor: Im Schaufenster steht ein Freddy-Krueger-Pappaufsteller, im Laden laufen auf mehreren Röhren-TVs alte Horrorfilme, und die Wände sind dekoriert mit klassischen Postern ikonischer Horrorfilme.
Der Laden ist nicht groß, aber es gibt viel zu entdecken. Mehrere Regale mit VHS-Kassetten, eine Vitrine mit kleinen Raritäten, eine Box mit Laserdiscs und Vinyls. Dazu T-Shirts, Filmposter aus aller Welt (u.a. auch asiatische Poster bekannter US-Filme) und eine bemerkenswert gute Auswahl an Boutique-Label-Blu-rays. Ein Regal präsentiert Neuheiten der Criterion Collection, Vinegar Syndrome und Arrow Video. Weitere Regale sind nach Genres sortiert. Man sollte allerdings ein gut gefülltes Portmonee dabei haben. Sowohl die alten Poster als auch die VHS Kassetten besitzen teilweise stolze Preise von 50-100 Dollar.
Abseits vom Verkauf finden regelmäßig kleine Events statt: Trivia-Nächte, Watchpartys, und sogar der ein oder andere B-Movie-Regisseur hat sich bereits zu Präsentationen dorthin verirrt. Primär werden hier Horrorfans glücklich. Wer generell Filme sammelt oder popkulturell interessiert ist, wird Night Owl Video lieben.
4. The Twisted Spine – Der neue Treffpunkt für Horrorliebhaber


Verlassen wir das Night Owl Video und gehen nur ein paar Schritte weiter entlang der Grand Street, erreichen wir den nächsten und letzten Laden meiner New-Yorker Geheimtipps: The Twisted Spine. Dieser Buchladen widmet sich ausschließlich der Horrorliteratur und ist damit der erste seiner Art in New York.
Die Atmosphäre ist einzigartig. Im Vorraum findet man aktuelle Neuerscheinungen; dahinter gelangt man in den Hauptraum, der eine düster-gemütliche Stimmung besitzt. Bücherregale stehen überall, sortiert nach Subgenres. Das macht die Suche nicht immer einfach. So findet man z.B. Stephen Kings Es in der Kategorie Coming of Age, während z.B. The Shining in der Abteilung Haunted Houses steht.
Das Team ist allerdings ausgesprochen hilfsbereit und unterstützt bei der Suche nach den passenden Titeln oder gibt eigene persönliche Lesetipps. Die gemütlichen Sessel im hinteren Teil des Ladens und der (unechte) Kamin laden dazu ein, es sich mit der ausgewählten Lektüre bequem zu machen.
Die Auswahl ist groß: Neben klassischer Horrorliteratur à la Dracula und Frankenstein findet man große Namen wie Clive Barker und Stephen King. Dazu gibt es eine Ecke mit Indie-Romanen und jüngeren Autor*innen wie Grady Hendrix, Nat Cassidy oder C. J. Leede.
Es gibt sogar Kochbücher, Fachliteratur zu verschiedenen Themen, filmbezogene Bücher und Das geheime Tagebuch der Laura Palmer. Mein persönliches Highlight war ein schön illustriertes Buch über amerikanische Volkssagen mit dem Titel Frightful Folklore of Northern America.



Und falls der Laden jetzt immernoch wie ein typischer Genre-Buchladen klingt, folgt hier das eigentliche Highlight: Ein Bartresen zieht sich durch den Laden. Er bildet das Centerpiece des Geschäfts. The Twisted Spine hat bis 23 Uhr geöffnet und ist somit nicht nur ein gewöhnlicher Buchladen, sondern ein Ort, an dem man ein schönes Glas Rotwein oder einen wärmenden Kaffee genießen und mit anderen ins Gespräch kommen kann.
Abseits vom Besuch für ein Glas Wein und ein gutes Buch, kann man im Twisted Spine bei diversen Events teilnehmen. Es gibt Silent Reading Nights, Buch-Lesungen und mit etwas Glück läuft einem sogar ein*e Autor*in über den Weg, um eine Ausgabe zu signieren. Den Besuch von Nat Cassidy habe ich knapp verpasst, aber immerhin gab es noch einige signierte Ausgaben, die bisher nicht ins Deutsche übersetzt wurden.
Gerade einmal ein gutes Jahr alt und definitiv noch ein echter Geheimtipp! Selbst wer nichts kaufen möchte, sollte zumindest auf einen Drink vorbeischauen und im schaurigen Sortiment stöbern.


