Das Filmjahr 2025 ist zu Ende gegangen. Damit liegt auch das erste Viertel dieses Jahrhunderts hinter uns. Aus diesem Anlass folgen nun meine persönlichen Top 10 Filme des Jahres 2025.
Für mich war es ein insgesamt sehr durchwachsenes Filmjahr. Ich merke zunehmend, dass mir viele neue Streaming-Filme entgehen, weil sie unauffällig auf irgendeiner Plattform landen und dort schnell nur einer von vielen werden. Im Kino hingegen gab es zahlreiche Filme mit denen ich oft Spaß hatte, die jedoch ebenso schnell wieder in Vergessenheit geraten sind. Die meisten dieser Produktionen waren handwerklich gut gemacht oder verfügten über interessante Prämisse, trafen am Ende allerdings weniger meinen persönlichen Geschmack. So hatte ich zum Beispiel mit dem neuen Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast mehr Spaß als mit Bring Her Back. Letzterer ist sicherlich der bessere Film und bietet eine der stärksten schauspielerischen Leistungen des Jahres 2025, war jedoch schlicht nicht für mich gemacht.
Wie eigentlich jedes Jahr spielte auch der Faktor Zeit eine zentrale Rolle. Man kann einfach nicht alles sehen. Dafür gibt es mittlerweile zu viel Content, und der Alltag drängt sich oft in den Vordergrund. So fehlen mir zum Beispiel noch Filme wie Wicked: Teil 2 oder Avatar: Ash and Fire und andere Titel wie Running Man und Amrum habe ich ebenfalls verpasst.
Daraus ergibt sich für mich ein Filmjahr mit einem großen Pool solider Beiträge, aus dem eine Handvoll Werke heraussticht. Diese besitzen allesamt das Potenzial, sich langfristig zu modernen Klassikern zu entwickeln.
Welche Filme das sind, erfahrt ihr hier in meinen Top 10 der besten Filme 2025.
Platz 10 – Pater Noster and the Mission of Light
Pater Noster and the Mission of Light ist ein Herzensfilm geworden, der meinen Geschmack voll trifft. Teenager hängen in Plattenläden ab, reden über Musik und sind besessen von einer mysteriösen Hippieband aus den Siebzigern.
Protagonistin Max und ihre Freunde stolpern über eine seltene Platte der fiktiven Band Pater Noster and the Mission of Light und bekommen die Möglichkeit die Band persönlich zu treffen. Dadurch geraten sie in die Fänge einer geheimen Sekte, die ihre eigenen Pläne mit den Jugendlichen verfolgt.
Der extrem günstig produzierte Horrorfilm folgt ganz der Philosophie eines Robert Rodriguez. Als dieser 1992 mit seinem
7.000-Dollar-Film El Mariachi auf sich aufmerksam machte, predigte er immer wieder, man solle möglichst alles selbst übernehmen – Regie, Schnitt, Kamera – und den Fokus auf das legen, was man bereits hat, nicht auf das, was man gerne hätte.
Genau das hat Regisseur Christopher Bickel getan. Für seinen bereits dritten Low-Budget-Film übernahm er erneut Regie, Drehbuch, Kamera, Schnitt und sogar die Musik. Eine beeindruckende Leistung, die ein Projekt voller Fantasie, Spaß, Blut und Absurdität hervorgebracht hat. Erhältlich ist der Film derzeit ausschließlich über den eigenen Shop des Regisseurs. Ich hatte zudem das Glück, den Film auf der großen Leinwand zu sehen, da er Teil des Schweizer Filmfestivals Brugggore 2025 war.
Platz 9 – F1
Dieser Film ist das genaue Gegenteil von Pater Noster and the Mission of Light. Ein Millionenprojekt, produziert vom Formel-1-Star Lewis Hamilton, mit Superstar Brad Pitt in der Hauptrolle. Regisseur Joseph Kosinski (Top Gun: Maverick) und Produzentenlegende Jerry Bruckheimer (Tage des Donners) arbeiten erneut zusammen und liefern den Film, der unter Filmfans bereits als „Top Gun mit Autos“ bezeichnet wird.
F1 ist ein Action-Sportfilm, der mit seiner Erzählform stark an das Kino der 80er- und 90er-Jahre erinnert und nie mehr sein will als pure Unterhaltung. Eingefleischte Formel-1-Fans werden sicherlich ihre Kritikpunkte haben, da hier klar das Entertainment im Vordergrund steht. Auf der anderen Seite schafft es der Film, frischen Wind in einen Sport zu bringen, der trotz hoher Geschwindigkeiten oft etwas einschläfernd wirkt.
Platz 8 – Final Destination: Bloodlines
Fast fünfzehn Jahre war es ruhig um das Final Destination-Franchise, bis Bloodlines plötzlich auftaucht und sich schlagartig als einer der besten und unterhaltsamsten Ableger der Reihe entpuppt.
Das Grundkonzept rund um den Tod, der Jagd auf Menschen macht, die eigentlich hätten sterben sollen, bleibt erhalten. Gleichzeitig wurden neue Ideen eingebracht, die das Regelwerk sinnvoll erweitern. Das Team hinter Final Destination: Bloodlines hat genau verstanden, worauf es bei diesen Filmen ankommt und wie man Splatter, Spannung und Humor gekonnt miteinander verbindet.
Man merkt auch hier, dass der Film nicht mehr sein will als eine unterhaltsame Episode einer beliebten Reihe. Zudem bekommt der 2024 verstorbene Tony Todd in seinem letzten Auftritt einen würdigen und rührenden Abschied. Was will man mehr?
Platz 7 – Clown in a Cornfield
Mein Herz schlägt für Slasherfilme. Egal, wie plump sie oft sind, sie besitzen einen Unterhaltungsfaktor, der bei mir fast immer funktioniert. Umso schöner ist es, wenn ein Slasher mehr ist als nur ein simpler Zusammenschnitt aus Blut und Gewalt.
Der Film von Regisseur Eli Craig (Tucker & Dale vs. Evil) basiert auf der gleichnamigen Buchreihe von Adam Cesare, die bereits mehrere Teile umfasst und deren erster Band ins Deutsche übersetzt wurde. Mit seinem Whodunit-Element erinnert der Film stark an die Post-Scream-Ära der späten Neunziger- und frühen Zweitausenderjahre.
Während Clown in a Cornfield anfangs wie ein klassischer Slasher nach Schema F wirkt, entwickelt sich nach und nach eine Story, die wirklich interessant ist und das Potenzial für eine komplexe Filmreihe besitzt. Die Auflösung und das Motiv sind überraschend clever, der punktierte Humor sehr witzig, ohne dass der Film in Richtung Horrorkomödie abrutscht. Gab es wichtigere Filme in diesem Jahr? Sicherlich. Am Ende geht es aber um Spaß und davon hatte ich hier jede Menge.
Platz 6 – Monkey’s Magic Merry Go Round
Der Film ist das Regiedebüt von Aidan Leary. Da es sich hierbei um einen Festivalfilm handelt, ist noch ungewiss, wann und wo er regulär erscheinen wird. Wenn es jedoch so weit ist, sollte man sich Monkey’s Magic Merry Go Round unbedingt auf die Watchlist setzen. Der Low-Budget-Horrorfilm ist eine Mischung aus der Sesamstraße und
Mister Rogers’ Neighborhood, während das Grundkonzept an Late Night with the Devil erinnert. Das Konzept ist eine Kindersendung voller Handpuppen, moderiert von James Jensen (Michael Gilio). Dieser ist außerdem die einzige reale Figur im Film ist.
Was zunächst wie ein harmloses Kinderprogramm wirkt, kippt nach und nach ins Düster-Surreale. Horror und Humor greifen hervorragend ineinander und es macht erstaunlich viel Spaß dabei zuzusehen, wie die Sendung immer weiter ins Alptraumhafte abdriftet. Im Kino ist der Film ein Genuss, aufgrund seiner visuellen Umsetzung aber auch ein perfekter Kandidat fürs Heimkino.
Platz 5 – Nosferatu
Ab hier könnte jeder Film dieser Liste problemlos den ersten Platz belegen. Jeder von ihnen besitzt das Potenzial, ein Klassiker zu werden.
Blickt man auf die Historie von Nosferatu zurück, klingt es zunächst gar nicht so abwegig, dass hier ein weiterer Filmklassiker entstanden ist. Die originale Romanvorlage Dracula ist schließlich aus der klassischen Literatur nicht wegzudenken und wurde bereits unzählige Male verfilmt. Gerade die ebenfalls in diesem Jahr erschienene Adaption Dracula – Die Auferstehung zeigt jedoch, wie leicht man selbst eine starke Vorlage in den Sand setzen kann.
Wenn sich Robert Eggers einem Thema widmet, dann stets mit vollem Einsatz. Seine Neuinterpretation des deutschen Schwarzweiß-Klassikers von 1922 ist ein eindrucksvolles, gotisches Horrormärchen geworden. Die kalten, nahezu monochromen Bilder erzeugen eine schaurige Atmosphäre, die einzig durch den bizarren Humor von Willem Dafoe punktuell gebrochen wird.
Bill Skarsgårds Graf Orlok, verborgen hinter einer grandiosen Maske und einem markanten Schnurrbart, ist eine beeindruckende Leistung, wobei der gesamte Cast durchweg überzeugt. Was man dem Film vorwerfen kann, ist die kühle Inszenierung, die für eine emotionale Distanz zwischen Zuschauer und Figuren sorgt. Abgesehen davon gehört Nosferatu klar zur Speerspitze der aktuellen Monsterfilm-Renaissance.
Platz 4 – One Battle After Another
Für viele da draußen ist dies der Film des Jahres – völlig zu Recht.
Das One Battle After Another meine Top 3 knapp verpasst liegt lediglich daran, dass ich den neuesten Film von Paul Thomas Anderson bislang erst einmal gesehen habe. Wer seine Werke kennt, weiß, dass diese nicht immer leicht zu greifen sind. Andersons Filme sind erwachsenes Ereigniskino, auf das man sich einlassen muss – so auch One Battle After Another.
Unbestreitbar ist jedoch, dass hier Kino für die Ewigkeit geschaffen wurde. Das liegt zum einen an der überragenden Nebenrolle von Sean Penn, für die der Oscar eigentlich schon reserviert sein müsste, und zum anderen daran, dass dieser Film auf faszinierende Weise spektakulär und gleichzeitig unspektakulär ist.
Der Film basiert auf dem Roman Vineland von Thomas Pynchon, dessen Buch Natürliche Mängel Anderson bereits 2014 verfilmte. Inhaltlich ist One Battle After Another ein großes amerikanisches, politisches Abenteuer und zugleich eine kleine intime
Vater-Tochter-Geschichte. Was den Film besonders auszeichnet, ist das Unvorhersehbare. Im Finale gibt es eine Verfolgungsjagd durch die Wüste, bei der es dem Zuschauer unmöglich ist zu erahnen, was hinter dem nächsten Hügel auf die Figuren wartet. Genau so verhält es sich mit dem gesamten Film: Er macht es einem nahezu unmöglich, die nächste Szene vorauszusehen.
Ebenso schwer ist es, One Battle After Another mit anderen Werken zu vergleichen. Am ehesten lassen sich noch die Coen-Brüder heranziehen. Leonardo DiCaprio irrt hier wie der Dude aus The Big Lebowski durch ein No Country for Old Men. Der Film übt eine Faszination aus, die in diesem Moment, während ich diese Zeilen schreibe, sogar wieder größer wird. Obwohl ich gerade in der ersten halben Stunde etwas Zeit brauchte, um hineinzufinden, möchte ich ihn nun unbedingt erneut sehen.
Platz 3 – The Brutalist
Als ich aus dem Kino kam, stand für mich fest, dass dies mein Film des Jahres 2025 werden würde. Blendet man die berechtigte Kritik rund um den Einsatz von KI aus, erhält man hier einen Film von enormer Bildgewalt, der Gefühle auslöst, wie man sie einst bei Werken wie There Will Be Blood oder Es war einmal in Amerika verspürte. Es ist eine Geschichte, die sich anfühlt wie eine wahre Begebenheit und dennoch reine Fiktion ist. Ein Film, der wirkt wie ein millionenschweres Prestigeprojekt, dabei aber für unter zehn Millionen Dollar realisiert wurde.
Völlig verdient gewann The Brutalist unter anderem die Preise für die beste Filmmusik und die beste Kamera. Der Film verkörpert den American Dream und dekonstruiert ihn zugleich. Was ihm letztlich zur Auszeichnung als bester Film des Jahres fehlt, ist vor allem die Schwere und das Sitzfleisch, denn die dreieinhalb Stunden Laufzeit spürt man deutlich. Dennoch ist The Brutalist modernes Monumentalkino, das sich anfühlt wie altes Hollywood.
Platz 2 – Weapons
Was zeichnet einen guten Film aus? Eine starke Geschichte, eindrucksvolle Bilder, greifbare Figuren, einprägsame Musik, unvorhersehbare Momente – und vor allem Spaß.
Nahezu all das erfüllt Weapons. Der Film des Horror-Regisseurs Zach Cregger hat mich nachhaltig nicht mehr losgelassen. Während seine Formel im vorherigen Werk noch nicht ganz aufging, hat mich Weapons komplett mitgerissen.
Die verschachtelte Erzählstruktur wirkt innovativ im Horrorgenre und sorgt gleichzeitig für zahlreiche Überraschungsmomente. Mit jeder Episode und jeder neuen Perspektive entschlüsselt sich das zentrale Geheimnis weiter. Weapons ist eine puzzelartige Wundertüte, die Drama, Horror und Humor gekonnt miteinander verwebt. Hinzu kommen einige der besten Jump-Scares der letzten Jahre sowie eine grandiose Antagonistin.
Platz 1 – Blood & Sinners
Blood & Sinners ist der einzige Film dieses Jahres, den ich zweimal gesehen habe. Auch beim erneuten Schauen. daheim, hat er mich wieder überwältigt – und gefiel mir sogar noch ein kleines Stück besser. Ryan Coogler spielte in meinem bisherigen Filmleben lange keine große Rolle. Sowohl die Creed– als auch die Black Panther-Filme haben mich nie vollständig erreicht, sind aber dennoch sehenswertes Blockbuster-Kino. Umso dankbarer muss man für ihren Erfolg sein, denn genau dieser ermöglichte es Coogler, ein Projekt umzusetzen, das vollkommen seinem eigenen Geschmack entspricht. Dass dieser Film dann auch noch an den Kinokassen einschlägt, ist nicht nur finanziell ein Erfolg. Wie schon The Substance ein Jahr zuvor, schafft es Coogler, das Genrekino stärker in den Fokus der breiten Masse zu rücken und den Studios zu zeigen, dass nicht nur etablierte Franchises Geld einspielen können.
Auf dem Papier klingt Blood & Sinners zunächst wild und wenig zugänglich: ein Spätwestern, der als Gangsterfilm beginnt, immer wieder musikalische Elemente aufgreift und im Finale in einen Vampir-Horrorfilm übergeht. Eine Mischung, die erstaunlich gut funktioniert.
Schon im Vorfeld bewarb Coogler den Film als seine Version von From Dusk Till Dawn und nahm damit einen Teil jener Überraschung vorweg, die den Film von 1996 so einzigartig machte. Was zunächst enttäuschend wirken könnte, erweist sich letztlich als nebensächlich. Blood & Sinners ist kein dreckiger Vampir-Roadmovie à la Rodriguez und Tarantino. Vielmehr ist es ein Film über Musik und Zusammenhalt, über Zugehörigkeit, Identität und Familie. Er verhandelt Themen wie Hautfarbe und gesellschaftliche Rollenbilder, lässt dabei aber genügend Raum für Interpretation. Gleichzeitig funktioniert Blood & Sinners auch als reines Entertainment. Beides schließt sich hier nicht aus – im Gegenteil, genau das macht den Film so stark. Man bekommt gut gezeichnete Figuren, den besten Filmscore des Jahres und ausdrucksstarke, staubige Bilder, die einen vollständig in ihre Welt ziehen und je nach Bedarf sogar das Bildformat wechseln. Lediglich der Horroranteil und das Finale fallen etwas zu kurz und wirken stellenweise zu überhastet. Doch das ist Meckern auf sehr hohem Niveau.
Wenn man eines über dieses Kinojahr sagen kann, dann, dass originelle Stoffe und Autorenkino weiterhin an den Kinokassen funktionieren. Das gibt Hoffnung für die Zukunft der Kinokultur.


