Im Jahr 1997 erschien der erste Teil der Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast-Reihe. Das Franchise gehört zu einer damals neuen Welle von Teenie-Slashern, die durch Wes Cravens Hit Scream ausgelöst wurde. Knapp dreißig Jahre nach dem Original und einige Jahre, nachdem Scream das zeitgenössische Kino mit dem Begriff Requel prägte (eine Fortsetzung, die gleichzeitig Elemente eines klassischen Remakes besitzt), meldet sich nun auch Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast zurück.
Damit springt auch diese Filmreihe auf den fahrenden Zug der Requels und Legacy-Filme auf, bei dem man sich fragt, wann dieser sein Ziel erreicht und sich selbst der letzte Zuschauer langsam sattgesehen hat. Denn einen Film mit Legacy-Charakteren zu veröffentlichen, ist im Jahr 2025 längst keine Neuheit mehr.
Der neueste Ableger des Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast-Franchise ignoriert den losgelösten und inhaltlich fragwürdigen dritten Teil der Reihe (Ich werde immer wissen, was du letzten Sommer getan hast) und knüpft direkt an die beiden Originalfilme an.
Ähnlich wie beim großen Vorbild Scream hat man sich dazu entschieden, den Titel klassisch zu halten und keine neue „Ich weiß …“-Variation zu kreieren.
Zudem erzählt der Film – ganz im Stil aktueller Legacy-Filme – eine alte Geschichte mit neuen Figuren und schlägt dabei den Bogen zum Original, sodass altbekannte Gesichter zurückkehren als auch eine funktionierende Fortsetzung entsteht.
Worum geht es in Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast?
Die Schulclique rund um die besten Freundinnen Danica Richards (Madelyn Cline) und Ava Brucks (Chase Sui Wonders) trifft sich auf der Verlobungsfeier von Danica und ihrem zukünftigen Ehemann Ted „Teddy“ Spencer (Billy Campbell) wieder. Gemeinsam planen sie, sich nach der Party das Feuerwerk zum 4. Juli anzusehen. Dabei gesellt sich zufällig auch Stevie Ward (Sarah Pidgeon) zur Gruppe, eine alte Schulfreundin, die sich aufgrund familiärer Umstände von der Clique entfremdet hat.
Bei ihrem nächtlichen Ausflug kommt es zu einem tragischen Unfall. Verursacht durch Albernheiten auf der Fahrbahn, bricht ein Auto in einer Kurve durch die Leitplanke und stürzt ins Meer. Die Freunde beschließen, niemandem von dem Vorfall zu erzählen. Ein Geheimnis, das genau ein Jahr lang sicher scheint, bis Danica auf ihrer zweiten Verlobungsfeier eine Karte mit der Nachricht „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ erhält und ein mysteriöser Fischer in blutiger Mission auftaucht.
Blasse Figurenzeichnung trifft auf wenig Innovation
Die Ausgangslage ist bekannt und stellt eine leicht abgeänderte Version der Handlung des Originals dar. Das ist weder sonderlich originell, noch wirkt es inhaltlich so glaubwürdig wie im ursprünglichen Film. Denn wenn man ehrlich ist, begehen die Figuren diesmal gar keinen so gravierenden Fehler und das Geheimnis wirkt größer aufgebauscht, als es tatsächlich ist.
Fairerweise muss man jedoch sagen, dass die Reihe generell nie durch besonders innovative Ideen geglänzt hat. Während der erste Teil noch relativ frisch wirkte und seine Geschichte gekonnt verschachtelt erzählte, bot der zweite bereits einen recht standardisierten Teenie-Slasher, dessen größte Stärke das exotische Setting war.
Akzeptiert man im neuen Film das Geheimnis als Prämisse und lässt sich auf den Film ein, erhält man dennoch vieles von dem Charme, den man von der Reihe erwartet.
Durch die Einbindung eines True-Crime-Podcasts werden Vergangenheit und Gegenwart miteinander verknüpft, und neue Zuschauer erhalten eine Einführung in die Ereignisse der Originalfilme. Leider schöpft der Film das Potenzial dieser Podcast-Thematik nicht aus. Sie dient letztlich nur als erzählerisches Mittel und als einer von mehreren „Red Herrings“.
Schade, denn die von Netflix produzierte Scream-Serie hatte vor einigen Jahren gezeigt, dass eine Podcast-Narration sehr effektiv eingesetzt werden kann.
Die Figuren bleiben insgesamt recht blass und erhalten nur die nötigste Charakterisierung, damit man zumindest minimal mit ihnen mitfiebern kann. Auch schauspielerisch bleibt alles auf einem routinierten Niveau. Das mag genretypisch sein, doch im Vergleich zum Originalfilm merkt man deutlich, dass einst Kevin Williamson – Autor von Scream und Schöpfer von u. a. Vampire Diaries – deutlich lebendigere Figuren erschaffen konnte.
Was dennoch gut funktioniert, ist der Whodunit-Aspekt im Film. Dieser gestaltet sich als äußerst unterhaltsam. Es werden falsche Fährten gelegt, Figuren auffällig inszeniert, und die Auflösung überrascht – mit einem Twist, der durchaus Diskussionspotenzial bietet.
Wuchtiger Killer hinterlässt blutarme Spuren
Wie bereits im Original, trägt der Killer ein Fischerkostüm, für das dem Zuschauer eine schlüssige Erklärung geliefert wird. Apropos Fischer: Über dessen Auftritte muss man sprechen – sie sind nämlich äußerst präsent und kraftvoll. Er agiert nicht aus dem Schatten heraus, sondern ist regelrecht brachial in Szene gesetzt. Die daraus resultierenden Kills sind allerdings gemischt.
Während die Terrifier-Reihe aktuell neue Maßstäbe in Sachen Brutalität setzt, bleibt Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast eher zahm – aber nicht blutleer. Es gibt einige explizite Szenen, etwa wenn der berühmte Angelhaken in einer Nahaufnahme langsam durch einen Hals getrieben wird. Auch die aus dem Trailer bekannte Harpunen-Szene ist intensiv. Dazwischen gibt es solide Durchschnittskost – nichts, das Hardcore-Horrorfans vom Hocker reißt. Andere aktuelle Filme wie Clown in a Cornfield oder Thanksgiving von Eli Roth waren da deutlich härter unterwegs.
Überbewertete Nostalgie oder doch der rettende Anker?
Handwerklich ist Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast (2025) in Ordnung, ohne dass der Film jedoch große, nennenswerte Akzente setzen kann.
Es gibt vereinzelte visuelle Highlights (etwa die Farbbomben-Badewanne) und der bereits erwähnte Einsatz des Fischermanns ist inszenatorisch ein kleiner Höhepunkt.
Tonal fängt der Film dennoch das Feeling seiner Vorreiter ein und bestimmte Entscheidungen – wie das Opening oder die musikalische Untermalung – fördern zusätzlich den Nostalgiefaktor.
Ohne diesen Faktor wäre der Film auch kein echtes Legacy Sequel (Requel), weshalb neben einer ordentlichen Portion Fan-Service (Nostalgie) auch zentrale Figuren des Originals zurückgeholt wurden.
Jennifer Love Hewitt (Julie) und Freddie Prinze Jr. (Ray) kehren in ihren ikonischen Rollen zurück. Auch andere vertraute Gesichter haben kurze Gastauftritte. Im Gegensatz zu den Scream-Legenden Sidney Prescott, Gale Weathers oder Dewey Riley, die zu wahren Genre-Ikonen wurden, war der Ruf nach Julie und Ray eher verhalten. Man hat manchmal das Gefühl, dass eher Buffy-Star Sarah Michelle Gellar zur heimlichen Kultfigur des Franchises geworden ist.
Dennoch bringt die Rückkehr von Julie und Ray eine nostalgische Note in den Film – ihre Figuren wurden sinnvoll in die Handlung eingebettet, zeigen eine nachvollziehbare Weiterentwicklung und erhalten eine angemessene Menge an Screentime.
Der Fan-Service wird im Film sehr großzügig eingesetzt – bis hin zu einer Mid-Credit-Szene.
Alte Schauplätze werden besucht, Dialoge enthalten subtile Anspielungen, bekannte Szenen werden neu interpretiert und es gibt sogar T-Shirts mit Zitaten wie: „Please, you don’t have to do this. I’m a fan. I’m a fan […]“
Fazit: Solide Abendunterhaltung für Nostalgiker
Obwohl der Film selbst behauptet, Nostalgie sei überbewertet, funktioniert genau diese an manchen Stellen überraschend gut. Sie ist letztlich ein zentrales Element dafür, ob der Film gefallen kann oder nicht.
Denn wie eingangs erwähnt: Hier wird nichts neu erfunden, wenig Frisches hinzugefügt und am Ende bekommt man genau das, was man erwartet:
Einen grundsoliden (Retro-)Slasher aus einem Franchise, dessen Ruf womöglich schon immer größer war als sein tatsächlicher Ertrag.
Ich Weiß, Was Du Letzten Sommer Getan Hast lief ab dem 17. Juli 2025 in den deutschen Kinos und erscheint ab dem 30. Oktober 2025 auf DVD/Blu-Ray und VOD für das Heimkino.


