Weapons – Die Stunde des Verschwindens

Weapons (2025)

Der Horrorfilm des Jahres?

Wenn man in einigen Jahren auf den Kinosommer 2025 zurückblickt, wird man eines mit Sicherheit feststellen können: Dieser Sommer hatte eine erstaunlich große Anzahl an Horrorfilmen zu bieten.
Weapons ist einer dieser Filme  und gilt schon jetzt als heißer Anwärter auf den Titel „Horrorfilm des Jahres“. Zurecht?
Regisseur Zach Cregger spaltete bereits mit seinem Debütfilm Barbarian die Meinungen. Der unvorhersehbare Mix aus Airbnb-Thriller und Monsterfilm ließ zwar nicht alle Zuschauer:innen mit dem gleichen Gefühl zurück, doch in einem Punkt war man sich einig: Diesen Regisseur sollte man im Auge behalten.

Worum geht es in Weapons

Eine Stadt in Aufruhr. In der Kleinstadt Maybrook, Pennsylvania, verschwinden eines Nachts um 2:17 Uhr 17 Kinder aus der Schulklasse von Lehrerin Justine Gandy (Julia Garner) spurlos.
Einzig der schüchterne Alex Lilly (Cary Christopher) bleibt übrig.
Die Hexenjagd beginnt. Es macht sich unter anderem ein besorgter Vater (Josh Brolin) eigenständig auf die Suche, während der junge Polizist Paul Morgan (Alden Ehrenreich) und der drogenabhängige James (Austin Abrams) auf ihre jeweils eigene Weise in das mysteriöse Verschwinden hineingezogen werden.

King trifft Tarantino : Clever erzählter Kleinstadthorror

Was sich zunächst wie der Auftakt zu einer urbanen Legende à la Picknick am Valentinstag liest, entwickelt sich zu einem spannenden Kleinstadt-Mysterium, wie man es eher von Stephen King erwarten würde.
Cregger nennt als Inspirationsquellen unter anderem Paul Thomas Anderson’s Magnolia, Stephen King’s Needful Things – In einer kleinen Stadtt und Prisoners von Denis Villeneuve. Drei stilistisch sehr unterschiedliche Werke, deren Spuren in Weapons durchaus erkennbar sind.
Wie schon in Barbarian gelingt es Cregger, sich gekonnt zwischen verschiedenen Genres zu bewegen. Dadurch bleibt der Film durchgehend unvorhersehbar und man weiß nie, in welche Richtung sich das Geschehen entwickeln wird.
Der Regisseur unterteilt den Film clever in Kapitel und erzählt manche Szenen mehrfach aus unterschiedlichen Perspektiven.
Das sorgt dafür, dass lange unklar bleibt, was in der Kleinstadt wirklich passiert ist. Der Aufbau erinnert an die Erzählweise von Quentin Tarantino, der ebenfalls gerne mit Kapiteln und nichtlinearer Chronologie spielt.
Tonal ist der Film eine emotionale Achterbahnfahrt. Was zunächst wie ein Sozialdrama mit Cop-Thriller-Elementen beginnt, driftet zunehmend in den Horrorbereich ab und wartet gerade gegen Ende der einzelnen Kapitel mit eindringlichen Gruselmomenten auf.
Dabei wird der Horror immer wieder durch (un)freiwillig komische Szenen gebrochen. Insbesondere im Finale fragt man sich, ob gewisse Lacher tatsächlich so beabsichtigt waren.
Der eingestreute Humor ist jedoch klar Teil von Creggers Stil und dürfte künftig als fester Bestandteil seiner filmischen Handschrift gelten. Ob einem der Stil zusagt oder man diesen kritisiert, hängt letztlich davon ab, wie man zu Creggers Art des Geschichtenerzählens steht.

Gruselig und erfolgreich!

Der große Hype um den Film – Stand 01.10.2025 hat er weltweit bereits über 250 Millionen Dollar eingespielt und damit sein Budget von rund 38 Millionen Dollar deutlich übertroffen – zeigt, dass Cregger einen (Horror)-Blockbuster für das breite Publikum ins Kino gebracht hat.
Das Konzept wirkt frisch, die vielen Wendungen erzeugen Spannung.
In Sachen Gewalt bleibt der Film weitgehend zurückhaltend, wobei insbesondere im Mittelteil eine Szene mit einem schwulen Paar als recht drastisch empfunden werden könnte. Ebenso kann die Thematik um verschwundene Kinder als unterschiedlich hart wahrgenommen werden.
Die gruseligen Momente funktionieren hervorragend – insbesondere im Kinosaal, wo sie ihre volle Wirkung entfalten, wenn das Publikum auf einzelne Szenen lautstark reagiert.
Persönlich bietet der Film sogar einen der effektivsten Jumpscares der letzten Jahre, der ganz ohne aufgedrehte Soundeffekte auskommt. 

Starke Figuren für einen starken Film

Schauspielerisch bewegt sich Weapons auf solidem bis starkem Niveau. Mit bekannten Gesichtern wie Josh Brolin (No Country for Old Men), Alden Ehrenreich (Solo: A Star Wars Story) und Julia Garner (Fantastic Four: First Steps) ist der Film prominent besetzt. Ergänzt werden sie durch starke Newcomer wie Cary Christopher (Alex) und Austin Abrams (James). Das schauspielerische Highlight bietet allerdings eine Figur Names Gladys, gespielt von Amy Madigan. Auf ihren Charakter möchte ich allerdings nicht weiter eingehen, da ihre Rolle eines der zentralen Mysterien im Film ist.
Emotional funktionieren die Figuren unterschiedlich gut, wirken aber allesamt durchdacht und gut ausgearbeitet.
Besonders in den Szenen mit Abrams’ Figur James entstehen immer wieder komödiantische Höhepunkte. Sie bilden einen angenehmen Kontrast zu dem düsteren Ton des Films.

Kinohighlight trotz ungeklärter Fragen

Weapons ist ein echtes Kinohighlight über das man im Vorfeld so wenig wie möglich Wissen und welches unbedingt auf der großen Leinwand gesehen werden sollte. Handwerklich wie erzählerisch wirkt Creggers zweite Regiearbeit noch sicherer als Barbarian und bringt spürbar frischen Wind ins Genre. Da kann man es auch verschmerzen, dass nicht alle Fragen beantwortet werden – und das „Warum“ am Ende unerklärt bleibt.

Weapons läuft seit dem 07. August 2025 in den deutschen Kinos und ist ab dem 30. Oktober. 2025 auf Blu Ray/DVD und VOD verfügbar.

Ähnliche Beiträge

Nach oben scrollen